Arnold Schönberg & Peter Schössow

Die Prinzessin

München, Hanser 2006

3-446-20765-3
32+30 Seiten, 14,90 €

ab 6 Jahre

 

 

 

Arnold Schönberg? Ist das nicht der mit der 12-Ton-Musik? Ja. Und der hat diese Geschichte ca. 1948 auf Band gesprochen, die jetzt mit den verschmitzten Bildern von Peter Schössow eine neue Dimension erhielten. Wunderbar antiquiert und ganz superb!

erzählte Geschichten

Arnold Schönberg erzählte seinen Kindern kurze Geschichten voller Wiederholungen und mit viel Wortwitz so lange das Mittagessen dauerte. Wenn das nicht reichte, wurde abgebrochen: Fortsetzung morgen. Hier haben wir eine fabelhafte Variation des bekannten Lieds „Ein Hund lief um die Ecke…“, denn es folgt dem gleichen Muster, der endlosen Wiederholung.

Diese beginnt so: „Am Nachmittag hat die Prinzessin wie gewöhnlich ihr Tennis-Game mit der Herzogin gespielt. Es war Matchball für sie, five to three und Advantage für die Prinzessin …“ Was dann folgt ist eine Geschichte, die sich mit vielen Wiederholungen in die Herzen der Zuhörer schleicht, und die sich „entwickelt“. Die Prinzessin verletzt sich nämlich. Ein blauer Fleck am Knie. O je! Sie wird zurück gebracht ins Hotel (das „Palace“ natürlich) und wartet sodann auf ihren Diener, der nach vielem Klingeln spät doch immerhin kommt. Nunmehr werden Auftrag und (Nicht-) Ausführung mehrfach wiederholt, wobei die Aussage zu den Wärmflaschen der witzigen Textfolge noch einen Schlag zusätzlich gibt: „Ich habe nur die blaue, die ist aber braun…“ sagt der Diener.

 Der heißt nicht nur Wolf, sondern er wird auch als solcher von Schössow gezeichnet, ebenso namentlich wie die Köchin Muh, die wegen ihres Aussehens aber nur Kuh genannt wird, und die Dienerin Florence, die allgemein nur Flo(h) genannt (und als solcher gezeichnet) wird.

Aberwitzig muss man die Bilder nennen. Rotfuchs ist mit Ente auf Jagd, wobei diese das Zwillingsgewehr sehr waidmännisch trägt. Dann dürfen ganz kurz drei Figuren aus einem anderen Buch von Schössow mitspielen (Gehört das so??!), vervollständigt durch einen Hydranten. Die leicht verwaschenen Häuser sind eine Hommage an Edward Hopper, und die alte Micky Maus Konstellation (Ede Wolf und die 3 kleinen Schweine) wird in einem Drugstore nachgestellt. Dort endet auch die Geschichte. Entschuldigung, dort beginnt sie erneut.

Die Figuren sind überhaupt nicht liebenswert gezeichnet, eher grantig oder überzogen. Wir sind auch nicht in die heutige Plastik-Zeit versetzt, denn die Tennisschläger sind immer noch auch Holz und der Rahmen soll ein Verbiegen verhindern. Tennis scheint überhaupt der Prinzessin liebster Zeitvertreib zu sein, denn in ihrem Zimmer mit den ausgesuchten Blumensträußen, den Troddeln an den Lampenschalen und dem riesigen Bett, unter deren Decke die Prinzessin ach so klein wirkt, liegen unordentlich verteilt einige Tennisbälle verstreut. Und sie hat ja auch – wie gewöhnlich – ihr Tennis-Game mit der Herzogin gespielt. „Es war Matchball für sie, five to three und Advantage …“

 Den zweiten, fast ebenso großen Raum beanspruchenden Teil des Buches bildet eine Hommage an Arnold Schönberg. Das ist legitim, auch wenn dieser Teil nur die erwachsenen Käufer des Buches interessieren dürfte. Seine Tochter Nuria kommt zu Wort und Matthias Henke schreibt über „Wie aus Arnold der Schönberg wurde“. Fehlt nur noch eine CD mit Hörbeispielen.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en