Bart Moeyaert & Wolf Erlbruch

Olek schoss einen Bären und nähte sich aus dem Pelz eine Mütze

aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler

Wuppertal: Peter Hammer 2006

3-7795-0050-7
32 S., geb; 16,90 €

ab 6 Jahre

 

 

„Hier ist Olek“, sagte Olek. „Ich tue, was ich kann.“ Und Olek kann viel helfen, denn was ist schon das Zubinden eines Schuhs, das Stopfen von Löchern im Eimer, das Befreien eines Kaninchens aus der Falle im Vergleich zum Schießen eines Bären und das Nähen einer Mütze aus dem Pelz? Aber dann kommt er doch in Situationen, die er nicht meistern kann, oder? Man legt sich nicht mit dem Teufel an …

Selbstbewusstsein

Wolf Erlbruch stattet Olek mit einer Fellmütze aus und einem knallroten Gesicht plus Hals. Der Rest sind graue Linien auf ockerfarbenem Papier. Mehr und mehr kommen neue Farben ins Spiel: Ein tiefes Schwarz, Blau und dann ein leuchtendes Rot. Ein Feuervogel mit einem lahmen Flügel. Auch diesem will Olek helfen, klettert bis in die Spitze des Baumes und vergisst dabei, dass er selbst nicht fliegen kann, sondern hinunterfallen wird „wie ein aus dem Nest gefallenes Spatzenjunges“. Doch nicht ohne die Feder, die ihm in der Not helfen wird – so verspricht es der Feuervogel.

Als Olek aufwacht, ist er in einer merkwürdigen Situation: 12 junge Frauen in schwarzer Kleidung, alle offensichtlich sehr ernst und besorgt. Sie verstecken ihn vor irgendetwas, irgendjemandem. Da Olek aber wohl immer helfen muss und sei die Hilfe auch nur für kurze Zeit gut, so lässt er sich nicht länger von den 12 mit ihren langen schwarzen Röcken verstecken. Obwohl ihn schon seine Eltern warnten, ja nie dem Teufel seinen Namen zu verraten, macht er das in Angesicht des Bösen sogar schon, bevor ihn dieser befragt: „Ich bin Olek – und ich tue, was ich kann!“ Die zwölfte junge Frau kann ihn nicht aufhalten, direkt auf das Höllentor zu zugehen. Immerhin findet sie noch die Feder des Feuervogels in der Mütze von Olek. Der steckt sie zunächst in die Nähe seines Herzens in seinen Wams.

Bäh, wie sieht denn dieser Teufel aus? Schwarz mit gelben Augen. grobe Narben, rote Nasenlöcher, Räder statt Beine, eine Öffnung für so etwas wie seinen Arm als sei es das Rohr eines Panzers. Am Ende ein Dreizack. Olek? Der weicht nur knapp zurück vor dem Dreizack und bedroht den Teufel mit einer roten Feder! Da fällt diesem der Kinnladen herunter, sind seine Augen wie seine Nasenlöcher weit aufgerissen, der Hals ein geknittertes Rohr, sein angedeuteter Körper mit Trenn- oder Nahtlinien versehen und ein merkwürdiges längliches Herz aus einem marmorierten Blatt. Das tiefe Schwarz ist durch hektische rote Flecken durchbrochen. Kurz: Hier fürchtet sich jemand. Hier merkt jemand, dass er verloren hat.
Olek sieht nach dem Kampf für kurze Zeit auch nicht mehr ganz rot aus, das Schwarz hat wohl etwas abgefärbt. Der Feuervogel hat ihm geholfen zu helfen.

Beim Küssen allerdings ist Olek allein mit der 12. jungen Frau. Ein bisschen Üben müssen sie schon noch.

 Beide enttäuschen in keiner Weise, überraschen eher noch – Schreiber wie Illustrator, Moeyaert wie Erlbruch. Beide bleiben sich treu in ihrem Stil, variieren aber gekonnt und nehmen Anleihen bei sich selbst. Und für die Übersetzung kann man Mirjam Pressler nur „Danke“ sagen.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en