Sybille Hein:
Wenn Riesen niesen.

Hamburg: Carlsen 2006.

ISBN 3-551-51685-5.
32 Seiten.
14,00  €.

Ab 04 Jahre.

 

 

Was kann nicht alles passieren, wenn drei Riesen zugleich Schnupfen bekommen und der Saft verschwunden ist! Hier „schießt“ ein Boot durch die See bis ins Schwarze Meer und noch weiter. Es heißt Berta.

Ratten stehlen Riesensaft

Und da haben wir auch gleich die erste von mehreren Aufgaben für die erwachsenen Vorleser: Woher kennen wir denn nur die „Dicke Berta“? (Anm.: Wohl das bekannteste Geschütz des 1. Weltkriegs. Deswegen „schießt“ hier wohl auch das Boot durch das Mittelmeer.) Andere Fragen könnten entstehen durch das Telefongespräch aus Großbritannien nach Spanien oder über das Piratenschiff „Black Cat“ 1876 (es könnte ein Hinweis auf Jack London sein oder auf eins der vielen Bilder von Künstlern „… mit schwarzer Katze“ wie von Manet o.a.) oder der bekannte “Gruß und Kuß dein Julius vom Bosporus” findet sich im Namen des Kapitäns (Julius Bär, natürlich “Seebär”) wieder.

Aber das ist natürlich nicht Aufgabe und Inhalt des Bilderbuches. 11 halb gereimte (abcb) Vierzeiler, zum Teil mit einem Inhalt nahe am Nonsense schaffen die Welt, die Sybille Hein mit entsprechenden Bildern ausstattet. Man muss sich schon darauf einlassen, das alles nur ein Bisschen bis ein Halb stimmt. Das Schiff „Berta“ nimmt gerade mal hinten den Kapitän auf und vorne (!) den Steuermann, die Mast-Flagge weht stark gegen den Wind an während sich die Segel blähen, selbst die Riesen verändern sich von Bild zu Bild: Der Text des einen Hutes ist anders und die Mützenfarbe des anderen und ihre Kleidung weht entgegen ihrem gewaltigen Nieser. Die drei hocken inmitten des Atlantiks vor der Straße von Gibraltar, die Landkarte ist auch so etwa korrekt. Ob im Schwarzen Meer ein Feuer speiendes Ungeheuer haust und wilde Piraten, die später an der Hochzeitsfeier teilnehmen dürfen, entspricht wohl auch nicht der Realität und auch nicht, dass auf dem Drachen eine Zielscheibe aufgezeichnet ist. Mitten in die 100 sticht die „Berta“.
So gar nicht realitätsbezogen ist die Darstellung der Prärie-Indianer mit Wigwam und Fernseh-Antenne und Marterpfahl für Arzt und Tochter. Und hier muss man wenigstens fragen, ob Bilderbücher als meinungsbildendes Medium, oft grundlegend, hier nicht etwas vorsichtiger zu Werk gehen sollten – auch wenn der Text mit seinen „Stopp“s auf das gute alte Telegramm verweist, also hier auch auf eine „alte Zeit“ der Indianer.

Viele Dinge sind auch für die Kinder zu entdecken, obwohl es sich nun wirklich nicht um ein Wimmelbuch handelt. Die quer liegenden Doppelseiten sind im Gegenteil oft recht leer, dennoch kann man finden, dass das ehemals zerrissene Segel nun durch die Stopferei eine Palme ziert, dass auch Piratenbräute gern küssen, der Arzt auch verwundete Ungeheuer pflegt, ein falsch beschriftetes Hinke-Pinke-Spiel mit einfachem Doppelpfeil wieder richtig wird und die Berta im Dienst des ADAC unterwegs sein kann.

„Zufall“ und „Glück“ sind die Zutaten zu dem Buch, die zusammen mit einem Strom auf den inneren Buchdeckeln in die Wundermaschine fließen. Heraus kommen Rauchkringel und Viel, was wir uns vorstellen müssen. Die folgende Geschichte hilft dabei.

Sybille Hein
wurde 1970 in Wolfenbüttel geboren und studierte Illustration an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg. Seit 1999 illustriert sie Kinderbücher und zeichnet für Magazine und Frauenzeitschriften
Veröffentlichungen (ohne Anspruch auf Vollzähligkeit):

  • mit Friederike Wilhelmi Kim sucht einen neuen Papa / München: Prestel 2001.

  • mit James Krüss: Die kleinen Pferde heißen Fohlen / Hamburg: Oetinger 2001.

  • mit Jan Jepsen: Die kleine Klokröte / Hamburg: Carlsen 2002.

  • mit Cornelia Funke: Die Glücksfee / Frankfurt: Fischer 2003.

  • mit Kai Schmidt: Der Entenkönig / München: dtv 2003

  • mit Claudia Schreiber: Sultan und Kotzbrocken / München: Hanser 2004

  • mit Barbara. Kindermann / Gottfried Keller: Kleider machen Leute / Berlin: Kindermann 2004.

  • mit Marjaleena Lembcke: Ein Märchen ist ein Märchen ist ein Märchen / St. Pölten: NP 2004.

  • mit Franz S. Sklenitzka: Hase und Igel – Kaum zu bremsen! / Wien: Dachs bei Ueberreuter 2005.

  • mit Martin Baltscheit: Da hast du aber Glück gehabt! / Frankfurt: Fischer 2005.

  • mit Ulla Fölsing: Auf ewig! / Düsseldorf: Patmos 2005.

  • Rutti Berg, die Bäuerin, wär so gerne Königin / Zürich Bajazzo 2005.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en