H. A. Rey:
Coco, der neugierige Affe.

Aus dem Englischen von Bruno Horst Bull.
Zürich: Diogenes 1995.

ISBN 3-257-00816-3.
44 Seiten.
12,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Ein Bilderbuch mit dem Charme von 1941 erlebt eine Wiedergeburt über einen Film und die Musik dazu (von Jack Johnson, Inbegriff der Leichtigkeit). Berechtigterweise? Trotz einiger Bedenken: Ja!

Überall daheim

 

Wer neugierig ist, ist überall zu Hause. Coco also, denn Coco ist sogar sehr neugierig. Dadurch wird er zunächst im Urwald gefangen, denn Coco probiert den gelben Hut auf, der ihm aber die Sicht nimmt und ihn zu einer leichten Beute des Mannes mit dem gelben Hut macht. Bootsfahrt und Errettung aus dem Meer (neugierig versuchte Coco das Fliegen, schaffte aber nicht mal das Schwimmen) und erste Erfahrungen mit der Zivilisation, das Telefon ist halt wirklich Teufelswerk. Schon kommt die Feuerwehr, weil fälschlich von Coco antelefoniert, so dass er ins Gefängnis kommt, von dort fliehen kann (Coco ist ja schließlich ein kletter-geübter Affe) um über einen Umweg zu seinem Freund mit dem gelben Hut zurück zu finden. Von dort aus endlich in den Zoo, in dem sich Coco nun „nach Herzenslust austoben“ kann.

Ja, da haben wir heute wohl eine andere Meinung. Jemanden aus Afrika zu entführen, um ihn in Europa in einem Zoo zur Schau zu stellen, was diesen auch noch hoch erfreut – das ist nicht mehr Allgemeingut. Dennoch bleibt kein unangenehmer Nachgeschmack (für die Erwachsenen), da zugleich eine andere Botschaft transportiert wird: Wenn du nur neugierig genug bist, bist du in (fast) jeder Situation wenigstens für eine Weile zufrieden, denn sie war Ziel deiner Neugier. Damit wird deine Geschichte aber auch nicht beendet sein, denn Neugier verhindert Stillstand. Also: Coco wird bestimmt nicht im Zoo bleiben.

Die Bilder sind das Wesentliche in einem Bilderbuch. Sie überwiegen, sind rahmenlos, der Text ist beigefügt (auch hier die Frage, ob „Mädchen“ und „sein“ anstatt „ihr“ heute noch zusammen passen). Coco ist von Anbeginn an ein Sympathie-Träger, da seine Knopfaugen immer mit hochgezogenen runden Augenbrauen korrespondieren und sein Mund (bis auf wenige Ausnahmen) immer breit gerundet ist. Coco hat durch und durch ein freundliches Wesen, ist immer lernbereit und – wie der Titel es verrät – immer sehr neugierig.

Auch die anderen Figuren werden so gezeichnet, wie wir uns Bilder für Kinder um 1940 vorstellen: Der Kapitän salutiert dem Fänger und Coco, während die Matrosen Gepäck tragen. Die Feuerwehrleute sind ziemlich planlos beim Einfangen von Coco wie auch der Gefängniswärter bei der Flucht von Coco.

Sparsam sind die Bilder, zum Teil deutlich auch über-zeichnet, stellen die Aktion in den Mittelpunkt und strahlen Sympathie aus für alle Beteiligte.

Da könnten wir Berufs-Kritiker und –Schwarzseher von heute vielleicht ein bisschen von lernen.

Vielleicht auch viel.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en