Brüder Grimm & Katrin Brandt:
Die Wichtelmänner.

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2006.
(Neuauflage von 1967)

ISBN 3-7152-0508-3.
24 Seiten.
12,80  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Wie „modern“ Bilder von 1967 sein können… Wäre (zum Schluss des Buches) nicht bekannt (gemacht worden), dass wir es um eine Neuauflage nach fast 40 Jahren zu tun hätten, wir hätten es als „innovative Interpretation“ eines (alten) Textes der Gebrüder Grimm beschrieben.

… kommt von irgendwo ein Licht daher

Die Geschichte ist einfach. Ein (verheirateter) Schuster ist unverschuldet (!) in Not geraten, so dass er nur noch Leder für ein Paar Schuhe hat. Er schneidet sie zu und geht sodann zu Bett. O Wunder, am nächsten Tag sind nicht nur die Schuhe fertig gestellt, sondern sie verkaufen sich auch noch sofort – und zwar auch noch so gut, dass sich sofort Leder für zwei neue Schuhe kaufen lässt. Und so geht es jede Nacht und jeden Tag. Es geht bergauf mit dem Geschäft.
Schuster und Frau entdecken, dass es zwei kleine Wichtel sind, die die Nachtarbeit zu ihren Gunsten verrichten. Sie bedanken sich durch die Bereitstellung von Kleidung für die beiden nackten Wichtel, die sich daraufhin nicht mehr blicken lassen. Aber das Geschäft läuft dennoch, den Wichteln sei Dank.

Die ziemlich kurze Geschichte wird, man ist versucht zu sagen „simple“ illustriert. Aber in der Einfachheit steckt, wie man weiß, die Schwierigkeit. Das ist schon ein ganz großer Wurf, wie Katrin Brandt illustriert. Schuster fast nebensächlich unsichtbar auf der linken (Text-) Seite im Bett mit nackten Füßen, rechts auf der Seite verteilt das, was man für die Herstellung eines Schuhs benötigt. Rote Schuhe sollen es werden, mit grauer Sohle und ebensolchen Absätzen. Die Folgeseiten zeigen sehr anschaulich per Schuh-Verdopplung und Geldmünzen-Ansammlung (alte österreichische Münzen), wie es finanziell und geschäftlich wieder bergauf geht. Reichtum auf der Seite mit 30 fertigen Schuhen und dem Satzfragment: „…und endlich ein wohlhabender Mann ward.“ Die nackten kleinen Wichtel sind in verschiedenen Brauntönen gehalten, selbstverständlich nur von hinten mit nacktem Po und schwarzen Wuschelhaaren am Kopf zu sehen.

Eine merkwürdige Geschichte mit einer merkwürdigen Moral. „Verliere nie die Hoffnung, von irgendwo zeigt sich bestimmt ein Licht!“ wäre die einfachste Deutung. Dass es aber irgendwelche Wichtel sein sollten, die doch so gar kein Interesse an der Schuhproduktion haben können, ist schon eher unwahrscheinlich – auch wenn wir an Wichtel glauben sollten. Dass die beiden aber ausgerechnet nach ihrer Einkleidung sich nicht mehr blicken lassen – ja, wer dankt denn da wem und was?
Glauben, ja glauben wollen wir aber auch danach noch an die Wichtel, die doch so nach und nach in Vergessenheit geraten. Schön, dass der Atlantis-Verlag hier ein Erinnern eingeschoben hat. Schade allerdings, dass der Text (leider) nicht der neuen deutschen Rechtschreibung folgt.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en