Tomi Ungerer:
Das Biest des Monsieur Racine.

Aus dem Englischen von Hans Manz.

Zürich: Diogenes 2006 (Neuauflage).

ISBN 3-257-00544-X.
32 Seiten.
14,90  €.

Ab 3 Jahre.

 

 

Das Buch wurde erstmals 1972 in englischer Sprache veröffentlicht. Dabei ist es so etwas von frisch und neu, dass die Neu-Auflage kein Wunder ist. Ungerer reichert seine Bilder derart mit zum Teil blutigen Hinweisen an, dass wir auf alles Mögliche gefasst sind, aber nicht darauf. In der Académie Français

Taxman with humor

Um am Anfang zu beginnen: Das Buch ist Maurice Sendak gewidmet, dem genialen Kinderbuch-Autor aus den USA, der auch bei uns bekannt wurde durch die „Wilden Kerle“ – „Where the wild things are“, also „Biester“.
Ein Steuereinnehmer ist ein trockener Mensch, einer, der keine Freunde hat, auch nicht nach seiner Pensionierung. Erschwerend kommt hinzu, dass er sehr erfolgreich in der Birnenzucht ist und, um dieser Tatsache noch eins drauf zu setzen, trotz vielfältiger Angebote nicht bereit ist, auch nur eine einzige seiner vielfach prämierten Birnen abzugeben. Möchten wir mit solch einem Menschen bekannt sein? Nein. Dabei schaut er gutmütig aus, ein bisschen vertrottelt, aber im Ganzen doch recht passabel, der Herr Racine. Als ihm eines Tages alle Birnen gestohlen werden, ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Monsieur Racine und das Biest, ein Wesen, das aussieht wie „ein Haufen Wolldecken“, mit „sockenartigen Ohren“ und ohne Augen, werden ein Herz und eine Seele.
Das Glück geht allerdings nur so lange gut, bis das Biest so bekannt wird, dass es der Französischen Akademie vorgeführt wird. Mehr wird nicht verraten.

Tomi Ungerers mehr als 30 Jahre alte Zeichnungen sind so jung, als wären sie heute erfunden worden. Seine Rahmen dürfen immer mitspielen im Bild, überwunden werden oder der Schnecke als Weg von einem zum nächsten Bild dienen. Merkwürdige und unerklärliche Kleinigkeiten führen uns ein- ums andere Mal in eine blutrünstige Ecke: Blut an der Axtschneide im Holzklotz, Fuchs mit Hase im Maul und blutende Blüte direkt daneben, Fledermaus im Hintergrund, Bilderrahmen mit weißen Bildern an den Wänden, Wurm im Vogelschnabel, Tropfen aus dem Maul der an der Wand hängenden Trophäe… Wenn das keine Anzeichen von Unheil sind, na, was denn dann? Ein geflickter Bilderrahmen vielleicht? Oder offensichtlich ein Fuß, der aus dem Tuch am Stock des Tippelbruders herausschaut?

Die Wahrheit, das erfahren wir gegen Schluss, verträgt die „Menge Mensch“ nicht. Die Wahrheit mündet in öffentlichem Aufruhr. „Autobusse wurden umgestürzt. Schreckliche Dinge geschahen… Man spricht noch heute davon.“

In der Tat hat Ungerer uns damals und der Diogenes Verlag mit der Neuauflage uns heute eine große Freude gemacht. Wir werden auch morgen noch davon sprechen.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en