Elsa Beskow:
Das Blumenfest.

Übersetzt aus dem Schwedischen von Diethild Plattner –

die Lieder in Verse gereimt von Arnica Esterl

Stuttgart: Urachhaus 2006.

ISBN 3-8251-7535-9.
32 Seiten.
13,50  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Die Neuauflage eines Buches von 1914 aus der heilen Welt der schwedischen Provinz. Es ist Mittsommerabend und die Erwachsenen bereiten sich auf das Fest am Gutshof vor. Lisa ist noch zu klein, sie muss zu Hause bleiben und soll mit den Blumen feiern.

 Nostalgie

Es soll Lisas Schade nicht sein. Die Mittsommerfee träufelt ihr ein wenig Klatschmohnsaft auf ihre Augenlider und so wird Lisa unsichtbar und darf am Fest teilnehmen, denn in dieser Nacht können sich die Blumen - für die Menschen unsichtbar - frei bewegen.
So erlebt also Lisa (wir mit ihr mit), welch große Blumenvielfalt sich in langen Prozessionen aus den verschiedenen Regionen auf den Weg macht zur frisch aufgeblühten Rose, die alle im Garten willkommen heißt – und wir lernen dabei mannigfaltige Namen für die diversen Pflanzen. Und wir lernen, dass das Unkraut, das „hässliche Pack“ nicht mit hinein darf in den Garten und es nur der Rose zu verdanken haben, dass sie am Rand des Zaunes sich niederlassen dürfen, um dem Sängerstreit folgen zu können. Die Distel erhält den Auftrag, am Tor Wache zu stehen.

Im Sängerwettbewerb buhlen Hummel, Gartengrasmücke, Stieglitz, Buchfink, Singdrossel und Spatz um die Gunst des Publikums. Letzterer singt ein Loblied auf die Unkräuter, was zu einem Tumult führt, der nur durch strenges Eingreifen beruhigt werden kann: Der Frosch singt seinen Nachtgesang, so dass alle Gäste einschlafen (Lisa auch, wir nicht). Der Sieger wird wohl erst nächstes Jahr festzustellen sein.

 Wie in einem Malbuch zeichnet Elsa Beskow auf den linken Seiten lediglich in Schwarz-Weiß, während auf den rechten (zumeist mit EB signierte) eine reichhaltige Farbigkeit zu bestaunen ist. Die Pflanzen haben Menschengestalt und tragen ihre markante Erkennung als Kleid oder Kopfbedeckung, als Handtasche oder Accessoire (Schlüssel am Gürtel). Lieblich schauen sie und erwartungsfroh, gesittet und bedächtig geht die Prozession von statten. Allein Klette, Günsel, Kreuzkraut, Löwenzahn und Brennnessel schauen zum Teil grimmig und lächeln etwas zaghaft nur bei „ihrem“ Lied. Sie lassen sich von ihresgleichen (Distel) bewachen und bitten untertänigst, den Störenfried aus den eigenen Reihen auch selbst bestrafen zu dürfen. Da lernte man etwas von, damals, 1914!

 Genauso „schön“ wie die Bilder sind die gereimten Lieder. Jedes in einem eigenen Versmaß und mehreren Strophen gesetzt und gereimt dargeboten, fehlte nur noch die Melodie. Aber die wird der Großvater / die Großmutter beim Vorlesen schon selbst erfinden.

 Bleibt die Frage, ob das Buch, Illustration wie Inhalt eine Darbietung von „Heile Welt“, in der jeder seinen Platz kennt und ihn akzeptiert, heute neu aufgelegt werden musste. Antwort: Ja. Gerade in einer Zeit, in der es keine einfachen Antworten mehr gibt, sehnen wir uns nach diesen. Wenn sie so dargeboten werden, schaden sie niemandem – und über die Bedeutung von Un-Kräutern kann man auch später noch mal reden.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en