Elle van Lieshout / Erik van Os  & Paula Gerritsen:
Ein König von wenig.

Aus dem Niederländischen von Hans ten Doornkaat.

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2006.

ISBN 3-7152-0517-2.
32 Seiten.
13,90  €.

Ab 05 Jahre.

 

 

Was ihn dazu getrieben hat, wissen wir nicht, aber König Bär scheint des luxuriösen Lebens überdrüssig zu sein. Zwar nimmt er noch die Kutsche mit fort und auch den großen Teppich sowie seinen Königsmantel, aber auch davon kann er sich bald trennen. Kann das gut gehen? Was ist mit der Königin? Was ist mit dem Reich?

Froh zu sein

Die Grund-Idee dieser Geschichte liegt bestimmt schon viele Jahre zurück, etwa in der Zeit, als Heinrich Leberecht August Mühling, ein Komponist und Organist (1786 – 1847), dichtete und komponierte, u.a. den Kanon für vier Stimmen: „Froh zu sein / bedarf es wenig / und wer froh ist / ist ein König“.
Den Satz nehmen Elle van Lieshout und Erik van Os nicht nur wörtlich, sondern sie kehren ihn auch um. Ein König ist nur froh, wenn er Weniges besitzt (im Original heißt es noch schärfer: „Een koning van niks“). Was unseren König veranlasst haben mag, sein bisheriges Leben zu verlassen – wir erfahren es nicht. Wir sehen ihn lediglich sehr zufrieden mit dem, was jetzt ist. Je geringer sein Habe, desto ausgeglichener und fröhlicher ist König Bär. Auf Einwände geht er sofort ein, sieht ein, dass er immer noch dieses Überflüssige besitzt und jenes und befreit sich (und sein Spazier-Kaninchen) von den Fesseln. Selbst als seine Frau auftaucht, ist er nicht bereit, sein neues Leben gleich wieder aufzugeben. Sie andererseits erst nach kurzer Bedenkzeit – und auch das nur bedingt. Na ja, Frauen brauchen das für die Nacht und jenes für die Augenbrauen und …

Was mit dem Reich geschieht, wissen wir immer noch nicht. Immerhin trägt der Ministerpräsident nun Königsmantel und Krone, also wird der Griesgram sich wohl darum kümmern. Bär und Frau haben offensichtlich (endlich?) ihr Glück gefunden, das sieht man auf der letzten Umschlagseite ganz deutlich.

 

Eine schöne Geschichte, die wir Erwachsenen so oder ähnlich bestimmt schon mal gehört haben („Freedom’s just another word for nothing left to lose“ …) die hier im Bilderbuch aber ganz selbstverständlich daherkommt. Den Bären kümmert es auch gar nicht, als die Umgebung ihn ärgern will, er aber die Kritik wörtlich nimmt und sie einsieht. Da gucken die Nörgler aber. Ganz fröhlich wird der König – da schaut er großzügig über die hinweg, die ihn verhöhnen, ihn auslachen. Ein König will er sein! Dabei hat er nicht einmal ein Schloss, keine Diener, keine Kutsch – ein König von Nichts ist er!

 Warum aber ist die Geschichte mit Tieren besetzt, wo es sich doch um eine Menschengeschichte handelt. Ganz klar. Gut, es entstehen witzige Situationen, wenn ein Bär mit einem Kaninchen an der Leine spazieren geht – und das ausgerechnet eine blinde Maulwurfsdame bemängelt und im Hintergrund des Parks ein Pinguin Eisverkäufer ist. Aber beim Käseverkäufer als Schwein sieht man, in welche Fallen das führen kann. Was wäre denn, wenn der Bär nicht Käse, sondern Mortadella oder Schinken bestellt hätte… Außerdem werden die Tiere nicht nur als handelnde Wesen dargestellt, sondern auch als Staffage, Tiere eben in der Natur. Schade also, obwohl nicht sichergestellt wäre, ob die Illustratorin es fertig gebracht hätte, einen Menschen vom alten Griesgram zum Genießer des Lebens so glaubhaft darzustellen wie es ihr mit König Bär gelingt. Und ein ebensolch glückliches und zufriedenes Paar im weißen Bettzeug am Ende der Geschichte.

Also nehmen wir die paar Unzulänglichkeiten in Kauf. Was kann es schöneres geben als den Frühling einzuatmen, der Blume Wasser zu geben, dem Kaninchen eine Karotte und herzhaft in das Käsebrötchen hinein zu beißen und mit einem Schluck kalter Milch hinunter zu spülen.

Froh zu sein, das wissen auch und besonders die Kleinen. Eine alte Zahnbürste kann ein Hund sein und ein Stück Holz ein Ozeandampfer. Was ist „Fisher Price“?

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en