Christian Morgenstern & Peter Schössow:
Die Mausefalle.

München: Hanser 2006.

ISBN 3-446-20695-7.
48 Seiten.
12,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Wer kennt Palmström? Wer kennt Korf? Mäuschen? Nein, nein, ja. Maus gehört zur Falle, Palmström zu Herrn Korf und beide zu Christian Morgensterns kurzem Gedicht, wie man eine Maus fängt ohne Speck. Köstlich der Text! Peter Schössows bildliche Interpretation setzt dem noch einen Hut auf, auch wenn es im Bild nur ein Motorroller-Helm ist. Köstlich-hoch-2!

Mit Speck fängt man Mäuse

Das Gedicht ist in zwei Kapitel unterteilt und kommt paarweise gereimt daher. Zuerst wird Palmströms musikfreudige Maus gefangen, dann wird sie von Korf entfernt ausgesetzt im Wald. Korf bringt Palmström zurück. Schluss.

Welche Figuren! Woher nimmt Schössow diese Selbstverständlichkeit seiner Figuren? Wir sehen die Maus als fröhliche Mitbewohnerin von Palmström, die dem Besuch freundlich entgegen läuft, das Geschenk mit nimmt nach drinnen und beim Fernsehen eben dieses öffnet und die Pralinen Stück um Stück aufisst. Ja, kann das denn ein Grund sein, sie loswerden zu wollen? Offensichtlich. Der kleine Korf mit seinem tief in die Stirn gezogenen Hut und den in die (nicht vorhandenen) Hüften gestemmten Händen mit den nach unten zeigenden Fingern ist eine sympathische Figur, die offensichtlich Rat weiß. Palmström, viel größer und mit sehr breiten Hüften, macht, was sein Freund ihm vorschlägt. Er setzt sich in den Käfig (mit dem witzigen Schriftbild „Pigalle“ – in Rot) und gibt ein Violinenkonzert, dem die Maus als Zuhörerin sich nicht entziehen kann. Korf ist auch dabei, versteckt in einer lächerlichen Baum-Attrappe. Er beschließt den Abend, indem er den Käfig mit einer Plane überdeckt und alles verschnürt.

Der Möbelwagen, den zu Morgensterns Zeiten wohl noch ein Ross zog, wird nun von einem Pferd gesteuert und bringt den Anhänger in den fernern Wald. Ein tolles Bild auf der Doppelseite: Der Lastwagen ist auf allen Vieren in der Luft, weil er durch ein Schlagloch fuhr, zugleich schwebt aber auch Korf auf seinem Motorroller 20 Zentimeter über dem Boden und die Kinnriemen seines altmodischen Helm flattern im Zickzack Einige Mohnblumen überragen die Grasnarben links und rechts des Wegs.
Die letzten Bilder zeigen viergeteilt die Maus, die sich extrem wohl fühlt in der neuen Heimat, während Palmström völlig unpassend groß auf dem Sozius des Motorrollers mit v.Korf nach rechts, also „nach Hause fährt“.

 

Morgenstern dichtet und reimt sich und die Leser durch kleine alltägliche Ungemache. Hier ist es eine Maus, die entfernt werden soll. Der Freund hilft, das Entfernen gelingt. Palmström selbst gelingt es, die Maus zum Konzert zu locken und sie sodann – seinem Beispiel folgend – einschlafen zu lassen.
Schössow macht wieder etwas ganz anderes aus dem Text. Zwei Freunde. Einer hat ein Problem, weil ihm das ein Dichter einredete. Er hat (offensichtlich seit langem) eine süße Maus, mit der er zufrieden und glücklich lebt. Die soll er nun loswerden, denn Mäuse im Haus, das weiß der Dichter, müssen weg. Eine große und völlig unsinnige Vorbereitung und das „Soll“ wird vollbracht.
Die Geschichte folgt dem Vorschlag, Pinguine zu fangen, indem man sie auf eine zwanglose Party einlädt. Sie werden sich in ihrem vornehmen Frack so unwohl fühlen, dass man sie in der Ecke leicht einfangen kann. Mäuse betäubt man eben durch ein Konzert, in welchem der Geiger einschläft, was eine Nachahmung zur Folge hat.

 

Ein herrlich „schräges“ Buch im Querformat, das nicht nur Erwachsene zu schätzen wissen. Hier lernen Kinder eine Art von Humor, den man nicht benennen, sondern erfahren muss. Vielen Dank, Herr Schössow.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en