Ole Könnecke:
Anton kann zaubern.

München: Hanser 2006.

ISBN 3-446-20693-0.
32 Seiten.
13,30  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Anton sieht mit seinem Turban sehr indisch aus. In Indien gibt es große Zauberer. Anton ist auch ein großer Zauberer. Er kann sogar Lukas weg- und einen entflogenen Vogel herbei-zaubern. Echt! Wieder ein Leckerbissen von Ole Könnecke.

World’s Greatest Magican

Beim Zaubern muss, das ist wohl indische Sitte, der riesige Turban vor die Augen rutschen. Danach wird wieder hoch geschoben – und in der Tat, das Zaubern funktioniert! Das heißt, nicht sogleich, denn der Baum als erstes Objekt ist wohl zu groß. Aber beim Vogel klappt es bereits, dann bei Lukas auch. Aber Lukas soll gar nicht weg sein! Anton kann das Verschwinden bestimmt rückgängig machen. Statt Lukas ist nun aber der Vogel wieder da. Und dann kommt auch Lukas wieder – in Begleitung von Greta und Nina und dem leeren Vogelkäfig von Greta. Den Vogel unter dem Turban kann Anton herbei zaubern, denn Anton kann das. Zaubern.

Während der kurze Text mit den großen Buchstaben genau diese Geschichte erzählt, erzählen uns die Bilder eine weitere. Wir sehen nämlich den Vogel wegfliegen, wir sehen, wie Lukas an Anton vorbei geht. Und wir wissen, dass der Vogel unter Antons Turban ist, den er in Anwesenheit von Greta, Nina und Lukas aufsetzt. Aber wir werden Anton natürlich nicht verraten.

Sehr schön, wie wir Betrachter, also Kinder ab 2 ½ oder 3 Jahren (oder älter, denn es ist für alle was dabei), beide Seiten sehen. Das kommt der ersten Erfahrung in der Als-Ob-Welt zu Gute und auch der Erfahrung von Ich-an-deiner-Stelle. Haben wir Anton vielleicht zu Beginn noch belächelt, so gönnen wir ihm seinen Erfolg zum Schluss von ganzem Herzen, denn wir sind er. Wir können zaubern.

 

Die Bilder von Ole Könnecke für das zweite Buch über Anton sind wieder gewohnt sparsam. Er lässt viel Raum: Anton mit Turban, ein paar Grasstriche, ein Baum mit deutlich abgezweigtem kleinen Ast, ein Vogel reichen aus, um unsere Fantasie zu beflügeln. Gesichtsausdrücke beschränken sich auf die Höhe der Nase und der beiden schwarzen Augen-Punkte sowie einem Mund, der im geschlossenen Zustand nur drei Ausdrücke zeigt („(„ oder „)“ oder „-„). Hemd und Hose sind je einfarbig, nur Ninas Jacke hat ein kleines Muster. Dafür ist sie nur per Text als Mädchen zu erkennen, Greta trägt Kleid und Pferdeschwanz.

Erst beim zweiten Durchblättern fällt die Wichtigkeit des gestalteten Schmutztitels auf, denn dort sehen wir ein Plakat des großen „Sorcar – World’s Greatest Magican“.
Welcher Erwachsene erinnert sich nicht an das Nach-Spielen von Spielfilmen, wo wir nach dem Western im Pass-Schritt gingen, die Hand immer über der Stelle schwebend, wo eben noch der Colt des Cowboys im Holster steckte? Oder an den kleinen Kasten, auf den wir nur drücken mussten, um fliegend den bösen Feinden zu entkommen?

Welchen Film also haben Sie gerade im Kino gesehen, Herr Könnecke? Oder waren sie im Varieté? Oder in Indien?

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en