Heinrich von Kleist & Barbara Kindermann
Illustrationen von Christa Unzner:
Das Käthchen von Heilbronn.

Berlin: Kindermann 2006.

ISBN 3-934029-19-1.
36 Seiten.
15,50  €.

Ab 12 Jahre.

 

 

Kleist starb - beruflich erfolglos - mit 34 Jahren, nachdem er erst mit 30 Jahren zu schreiben begann. Die Nacherzählung seines Dramas fügt (wieder) Originalzitate ein, so dass auch ein Eindruck der damaligen Sprache entsteht: Eine Welt, in der die Liebe doch noch ihren Platz findet, und dazu noch mit wunderbaren Bildern in Szene gesetzt.

Liebe

Käthchen (gerade 15 Jahre alt geworden) verliebt sich in den Grafen von Strahl. Nun ja, das passiert, wenn man jung und schwärmerisch ist. Welche Folgen das hat, kann man nicht absehen. Zwar klagt Käthchens Vater vor dem heimlichen Gericht, aber der Graf von Strahl weiß von nichts, denn Kunigunde, die Verlobte des Grafen und allseits bekanntes „Miststück“, das allen Männern den Kopf verdreht, ist seine Favoritin.
Nach diversen Wirrungen und einem Futteral, das Kunigunde und ihre Pläne entlarvt, kommen Käthchen und der Graf von Strahl sich nahe, zumal sich herausstellt, dass Käthchens Vater nicht ihr Erzeuger war / ist. Der Kaiser selbst (bei der Erst-Aufführung musste dieser Passus noch geändert werden) hatte seinerzeit einen „Fehltritt“ mit Gertrud, der Mutter von „Katharina von Schwaben“, jetzt aber erkennt er sein Kind als leiblich an. Ende gut.

Illustrationen gut.
Christa Unzner zeichnet mit dünnem Stift, vielleicht einem Feinliner, ihre Figuren. Erst später gibt sie ihnen eine Farbe, die sie kleckst oder durch ein Sieb färbt, dann aber doch ein wenig oder auch stärker direkt aufträgt. Das Rot vom Kleid ist das gleiche wie das Rot des Schals vom Grafen, der sich ihrer Liebe noch nicht bewusst ist. Die Farben wissen das schon. Den warmen Tönen von Käthe strotzen die kalten Blautöne ihrer Rivalin. Kunigunde hat bisher nicht nur einem potentiellen Ehemann den Kopf verdreht, um ihn anschließend sitzen zu lassen, weil sich etwas Besseres bot. Lasziv liegt sie auf dem roten Chaiselonge mit bauschigem blauen Seidenkleid und ebensolchen krausen Haaren. Der Graf kann da nur untertänigst auftreten, schon fast so, als ob er sich selbst aufgäbe.
Eine halbe Seite nehmen sie ein, die Bilder, oder gar eine ganze. Man nimmt sie zunächst gar nicht so recht wahr beim Lesen, sie bieten angenehme Unterbrechung im Text, aber sie sind nachhaltig. Schon ist uns klar, wie die Katharina aussieht (schmal, aufrecht, gerade Schultern, blondes Haar, ziemlich dünn und bis auf die Schultern reichend), wie der Graf (vor allem: dunkles glattes Haar mit steifem Schnurrbart) oder die undankbare Rolle der Kunigunde, die immer kalt und berechnend dargestellt wird, mit breiten Hüften und ausladenden Brüsten. Männer werden da manchmal schwach, der Graf auch.
Aber noch schwächer werden wir alle, wenn wir das schmächtige Käthchen auf der Erde sitzend sehen oder fröstelnd oder gar fliehend.
Ja, so schafft man Bilder im Kopf.