Frantz Wittkamp (Text) & Jenny Brosinski:
Gute Nacht. oder: Der lange .Weg ins Bett

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2006.

ISBN 3-7152-0516-4.
32 Seiten.
13,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Der Weg von hier bis ins Bett ist lang. Das wissen nicht nur Eltern mit kleinen Kindern. Hier dauert der Weg bis zum Buchumschlag auf dem letzten Buchdeckel. Damit das Kind auf dem Weg nicht ununterbrochen nach- und mitschaut, hat Jenny Brosinski die vielen Details schön klein gezeichnet. Die schauen wir uns morgen früh gemeinsam an. Bestimmt.

Wer zu Bett geht, der braucht Zeit

In 58 Versen, je paarweise gereimt, führt uns Frantz Wittkamp durch die kleine Welt, die sich zwischen dem Zudecken und dem Einschlafen noch einmal öffnet. Vorweggenommen: Sie endet natürlich im eigenen Bett und mit einem Reim auf „…Bett gemacht und nun schlaf schön – Gute Nacht“. (Mit seiner Silbenverschiebung ein besonders gelungener Reim, finde ich.)
So viel zum Lob für den Texter mit seinen schönen Sprachbildern, die um manche Ecken gedacht sind. Die Illustratorin findet dennoch viele weitere Ecken, um die sie denken kann (und es auch macht) und uns daran teilhaben lässt. Sie benutzt zur Öffnung ihrer Welt feine schwarze Strichlinien, die einerseits immer wieder Perspektiven verleugnen, andererseits sehr wohl das Bild als Ganzes perspektivisch gestaltet. Da die Aufteilung einer weißen Seite mit ausschließlich schwarzen Strichen vielleicht etwas langweilig wäre, fährt sie anschließend mit breitem in Brauntöne getauchtem Pinsel um Details ihrer Zeichnungen, setzt andere Farben sehr sparsam ein (ein Faden wird im Nachhinein zum „roten“ Faden, dem man ja bekanntlich folgen muss), so dass ein Eindruck von Aquarell in blassem Ocker bis Sienna entsteht.
Bei all diesem grundsätzlichen Aufbau bleiben – auch im Zusammenhang mit dem integrierten Text – fragile Bilder für unsere Augen. Die haben es, manchmal erst nach dem zweiten oder gar fünften Anschauen, faustdick hinter den Ohren. Brosinski versteckt ganz viele kleine, oft skurrile Ideen: Die Uhr am Haus ist eine Taschenuhr, auch noch um 90° gedreht aufgehängt; die Zypresse „blutet“ beim Beschneiden – in natürlich grünen Blutstropfen, die Eisbären entfliehen in einem selbst gegrabenem Tunnel (der rote Spaten ist allerdings schwierig zu erkennen), auf Wegweisern steht GANZ klein „rechts“ oder „links“, im Kirchgestühl knien Schafe, die gemeinsam „A-möööööhn“ rufen, im Hundehaus mit Namen Hasso liegt ein Mensch und schläft, während Hasso selbst, aufgedopt mit Kraftfutter, übergroß davor hockt. Den zum Teil französischen Hintergrund der Illustratorin kann man zudem an mancher Schrift innerhalb der Bilder nachvollziehen: Mondieu – sagt der Bauer zu seiner Ziege, die gerade von einem Traktor überfahren wurde, die Bar heißt „Chez Uwe“, was wiederum auf Hamburg hindeutet.
Zu viel erzählt zu einem BILDER-Buch? Das muss man sich anschauen? Dieses bestimmt.

Die Illustrationen zu diesem Buch entstanden übrigens als Diplomarbeit innerhalb der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. Gut, dass unsere Hochschulen und Universitäten den Studenten so viel Raum und Mut lassen, dass Altes antizipiert wird, aber Neues geschaffen wird. Schöne Ideen toll umgesetzt, Frau Brosinski!