Chris van Allsburg:
Zathura.

Aus dem Englischen von Ebi Naumann.
Hamburg: Ca
rlsen 2006.

ISBN 3-551-51663-4.
32 Seiten.
18,00  €.

Ab 05 Jahre.

 

 

Van Allsburg führt uns mit seinem Buch in die Welt zwischen zwei identische Bilder. Was geschah? Passierte dort das, was er erzählte? Und warum sind die beiden Brüder zu Beginn fast feindlich zueinander und sind es am Schluss so gar nicht mehr? Das Buch zum Film, ein Film, der dies Buch wirklich erzählt? Ein Versuch.

Ist die Wirklichkeit wirklich?

13 Zeichnungen musste van Allsburg für seine 14 Doppelseiten anfertigen, denn das zweite Bild ist identisch mit dem dreizehnten. Das Bild davor unterscheidet sich inhaltlich komplett von dem Bild danach. Dazwischen spielt die Geschichte, die sich aber nur mit Mühe erschließt. Es dreht sich in dieser Zwischenzeit um ein Spiel, das den Ereigniskarten Wirklichkeiten zuordnet. So kommen die beiden Brüder in einen Kometenhagel, müssen sich gegen einen Roboter und gegen einen Echsenpiraten aus dem Weltall wehren, der Umpolung der Schwerkraft etwas entgegensetzen usw. Aus den oft ausweglos erscheinenden Situationen hilft erneutes Würfeln. Statt in ruhiges Fahrwasser gelangen die beiden aber in immer schwierigere Lagen, bis sich plötzlich die beiden Bilder gleichen, sich all das wohl in einer Zeit abgespielt haben mag, die mit einem Augenzwinkern oder dem Umblättern einer Seite beschrieben ist.
Eine Verfilmung ist gut nachzuvollziehen, hier könnten die etwas brüchigen Übergänge deutlicher werden, weil das Erlebnis nicht mit einem Text zu ein und dem gleichen Bild abgetan wird, sondern wirkliche Aktion stattfindet, die ihr Ende von außen (Würfeln) findet – kurz bevor eine Katastrophe stattfindet.

Wir haben es aber nicht mit einem Film zu tun, sondern mit einem Bilderbuch. Und auch wenn die Bilder von Herrn van Allsburg mit den klein gerasterten Punkten sehr gute Ergebnisse zeigen, so werden sie durch den Erzählstrang zerstört. Der kommt nämlich in die Bilder als rechteckiger Kasten, damit der Text nicht nur im Original (US-Englisch) erscheinen, sondern auch in den diversen Übersetzersprachen gedruckt werden kann. Und diese Kästen sollen die Zeit überbrücken, für die das Bild doch nur einen einzigen kleinen Moment festhalten kann. Zwei Medien widersprechen sich in dieser Geschichte. Man kann halt nicht alles haben.

Um aber den Beginn noch mit dem Ende zu verbinden: Vor diesem mehrfach genannten Doppelbild sind die Brüder mit deutlichem Altersunterschied fast erbitterte Gegner, fast feindselig gegeneinander gestimmt, danach aber legt der ältere Bruder seinem jüngeren den Arm über die Schulter und lenkt ihn ein bisschen. Fast ein bisschen kitschig, wenn man an das Doppelbild denkt, denn dort liegt der Ältere über dem Jüngeren, verzerrt sein Gesicht dabei fast zu einer Hass-Grimasse und kneift dem kleinen Bruder derart in die Nase, dass man den Schmerz zu spüren meint.

Fazit: Wunderbare Bilder, wie man es von van Allsburg schon fast gewöhnt ist. Eine gute Grundidee und ein guter Aufbau. Aber der gesamte Mittelbau, dieses Eindringen des Weltraums in die (Phantasie-) Welt der Kinder und des Spiels, der kommt durch dies Buch nicht rüber in die Welt der Betrachter, des Vorlesers, der Zuhörer und Betrachter.
Das mag anders sein, wenn man den Film dazu hat oder im Hinterkopf, aber das kann kein Kriterium für ein Bilderbuch sein.

Schade. Sehr schade.