Käthe Recheis & Karen Holländer:
Das Geschenk des Feuervogels.

Düsseldorf: Dachs bei Patmos 2006.

ISBN 3-85191-380-9.
32 Seiten.
13,60  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Feuer war (und ist immer noch) eins der Geheimnisse der Menschheit, das dazu beiträgt, sie am Leben zu erhalten. Das gilt für die Zubereitung des Essens wie für das Warmhalten des Körpers. Hier nun die Geschichte, wie das Feuer zu den Indianern kam.

Feuer

Kindern wird es nicht auffallen, aber muss es denn sein, dass der Text davon spricht, dass die Indianer noch kein Feuer kannten, sie also frieren und die Tiere roh essen mussten, gleichzeitig aber ein Indianer mit Messer in der einen und Gans in der anderen Hand eine Tabakpfeife im Mund hat? Wie hat er die denn angezündet? Das ist ein denkbar schlechter Beginn für ein Bilderbuch, das Kinder sehr wohl dazu bringen kann, über elementare Dinge des Lebens (auch wenn es am Beispiel der Indianer und in Form einer Parabel geschieht) nachzudenken.
Die einfache wie wichtige Botschaft bringt der Feuervogel, der sein Geheimnis dem schenken will, der am würdigsten ist. Fast alle Indianer missverstehen den Satz, folgen dem Vogel, damit er erkenne, dass gerade sie oder er würdig sei. Der Vogel aber sieht mit dem Herzen und erkennt das kleine Mädchen als würdig, das sich eben nicht an der Verfolgung des Vogels beteiligte, weil es den kranken Vater pflegen musste. Das war zu dieser Zeit wahrlich wichtiger.
Hier könnte also das Buch aufhören, denn es wird klar, was wirklich wichtig ist: Sorge um den anderen, Mitmenschlichkeit. Hier ist „Würde“ versteckt. Dass das Kind dann auch noch nicht nur seinem Stamm, sondern allen Besuchern bereitwillig das Feuer weiter gibt, ist Beiwerk, bei ihrem Charakter aber zu erwarten.

 

Neben dem Lapsus (siehe Beginn) zeichnet Karen Holländer Indianer der heutigen nördlichen USA, die in ihren Hogans ohne das Feuer leben. Sie tragen allerdings die Haartracht der Prärie-Indianer: lange schwarze Haare, zum Teil am Hinterkopf geteilt, zum Teil allerdings gar als wunderbar dicker Zopf gezeichnet. Zugleich gibt sie im Inneren eines Hogans Bild-Hinweise auf Prärie-Indianer (Bison), aber auch über die Körbe auf Indianer aus Süd-Arizona – und die Puppen-Figuren ähneln sogar denen aus Haiti. Dann kommt sogar noch ein Hund ins Bild, der ein verschlungenes Dreieckstuch um seinen Hals trägt, so dass man in der Frage der Sorgfalts-Prüfung sagen muss: Sehr misslungen.
Für unkritische Leser und / oder Käufer oder für solche, denen solche inhaltlichen Kleinigkeiten egal sind, ist dies ein schönes Buch aus der Welt der Indianer (einer fremden Welt also), das inhaltlich auch uns berührt (Umgang mit dem Feuer). Die Bilder liefern dann auch das, was der Text vorgibt.

Ein guter Beginn, um über die Wichtigkeit des Feuers – und seine Gefahren (nicht umsonst erhält es nur der Würdige) nachzudenken. Ein guter Beginn, um darüber nachzudenken, was denn noch wichtiger sein könnte als der Besitz von Feuer.