Kristin Roskifte:
Zoom den Hut.

Düsseldorf: Sauerländer bei Patmos 2006.

ISBN 3-7941-5080-5.
32 Seiten.
12,90  €.

Ab 04 Jahre.

 

 

Das Buch beginnt mit: „Ist das das Ende?“ und weist damit gleich darauf hin, dass des Öfteren nichts so sein wird wie es zu sein scheint. Ein weißer Fleck entpuppt sich beim herausgezoomten nächsten Bild als Lichtreflex auf einer Lippe, eine Weltkugel als Hut …

Zoomen ohne Worte

Zaubern mit Hut

Nur auf den ersten Blick gibt es einige Brüche im konstanten Heraus-Zoomen, aber die erweisen sich als geschickter Schachzug von Kristin Roskifte, denn ansonsten wäre sie schnell dort, wo andere Zoombücher oder –filme wären: im Weltraum. Ihr Trick ist, dass die Stadt im nächsten Bild gar keine Stadt ist, sondern ein Muster auf einem Hut auf einem Ständer, dass das Flugzeug eine Reklame am Reisebüro ist und die Weltkugel wieder ein Hut auf dem Kopf einer Dame – und dann darf das Buch auch gleich so enden, wie es begann: mit weißen und schwarzen Flächen. Diesmal heißt die Frage natürlich: „Ist das der Anfang?“
Zwischendurch muss man auf den recht kleinformatigen Bildern (ca. 20 x 20 cm) schon recht genau gucken, um die vorherige Situation wieder zu finden, denn in Wirklichkeit wird ja gar nicht gezoomt, sondern gezeichnet und gemalt. Da darf sich die Szene auch inhaltlich weiter entwickelt haben oder leicht oder auch stärker verändert: Eine Wohnsiedlung wird zu einem Block-Muster, eine Landstraße zu einem Hutband.
Überhaupt: Hüte. Sie sind nicht nur Teil des Titels, sie bilden auch ein weiteres verbindendes Element. Irgendwie beginnt oder endet jede Teilgeschichte damit. Kleine Anspielungen geben eine zusätzlich Würze: Eine schwarze Katze kann man mehrfach entdecken – und wenn es nur die beiden Augen sind; eine gefächerte Tür entpuppt sich als Bild einer Tafel Schokolade; das Haus mit dem Frisör könnte einem Popup-Buch entnommen sein usw.

Kinder, die mit dem Computer aufwachsen und mit Bildprogrammen, wissen natürlich die kleine Lupe zu bedienen und kennen sich – auch mit Hilfe der Digital-Fotografie („Zeig mal her“) – mit dem Begriff „Zoom“ ein wenig aus. Den anderen muss man eine kleine Hilfe geben und das kurze Wort ausländische Wort mit „Ausschnittsvergrößerung oder –verkleinerung“ erklären, oder einfach an Hand des Buches.

Eine schöne Idee für ein Bilderbuch, die zudem die Kulturtechnik des genauen Schauens und des Wieder-Erkennens des Kleinen im Großen und umgekehrt fördert oder überhaupt erst entwickelt.