Heike Ellermann:
Help!

Oldenburg: Lappan 2006

ISBN 3-8303-1104-4.
40 Seiten.
12,95  €.

Ab 05 Jahre.

 

 

Die Käuferschicht von Bilderbüchern weiß, wovon das Buch handelt, dessen Titelbild sie sehen: Die Beatles sind Allgemeingut der heute 60- bis 35-Jährigen. Aber das Buch geht selbstverständlich darüber hinaus. Eine scheinbar ausweglose Situation wird mit einem Beatles-Cover geklärt. Generationsübergreifend!

Hi-Hi-Hilfe!

Als Bilderbuch ist es merkwürdig schmal, das Buch. Die vier „Pilzköpfe“ John, Paul, George und Ringo (die Reihenfolge geht bildhaft von unten nach oben) schauen in der Bild-Collage untereinander aus dem Lattenfenster eines Baumhauses. Die Gardinenfenster sind Stilmittel von Ellermann: Aufgeklebtes und zudem weiß bearbeitetes blass gefärbtes Pauspapier scheint im Wind zu flattern, ist aber deutlich viel zu steif, um genau das zu tun. Spannung entsteht.
Die wird sogleich auf den Umschlag-Innenseiten fortgesetzt: 12 Quadrate erzählen eine sehr undeutlich zu erkennende Bildergeschichte, in der eine grüne Leiter eine Rolle zu spielen scheint und vier Personen mit schwarzen Haaren. Diese Bildgeschichte taucht sodann innerhalb der eigentlichen Handlung auf, diesmal aber schärfer gedruckt und im Schmutztitel als von „Anton Engel gezeichnet“ benannt. Hier wird dargestellt, dass zwei Kinder ein Baumhaus besetzten, die Leiter aus Versehen umstießen und die gefundenen Schallplatten-Titel aushängen, um eventuell suchende Eltern auf den Aufenthaltsort der beiden bald wohl schlafenden Kinder aufmerksam zu machen.
Das gelingt, die beiden werden gerettet, und Opa darf Julian aus seiner Zeit erzählen, damit dieser die Schallplattenhülle einordnen kann in einen zeitgeschichtlichen Zusammenhang. Ach, so lange ist das doch gar nicht her…

When I was younger, so much younger than today …beginnt die erste Strophe der damals ziemlich jungen Beatles. Hier wird die Zeit wörtlich genommen und eine schöne Verbindung zur heutigen Wirklichkeit geschaffen, durch die Bildergeschichte, die illustrierte Erzählung, den kurzen Anhang (der durchaus auch von den bestimmt sehr spannenden Recherchen der Autorin erzählen könnte, dass zum Beispiel die vier Zeichen der vier Beatles auf dem Cover durchaus eben nicht H-E-L-P bedeuten usw.) und die übergreifende Klammer vom Großvater zum Enkel.

Heike Ellermann zeichnet nicht, malt nicht, sie schafft. Sie benutzt Fotografien und Pastell-Stifte und halb-durchsichtige Stoffe, um Collagen zu schaffen, die deutlich einen eigenen Stil darstellen. Dazu gehören auch übertriebene Farben, die in der Fotobild-Collage sehr unwirklich wirken, aber erkennbar dazu gehören. Der begleitende Text ist zumeist abgesetzt und weiß allerdings oft nicht, ob er erzählen oder erklären soll. Das führt dazu, dass der Vorleser vielleicht mit eigenen Worten den Text kürzen muss oder auch eigene Erinnerungen beitragen soll.

Das schadet aber auch nichts, denn damit wird auch eine gemeinsame Vergangenheit zwischen Großeltern und Enkeln geschaffen, die es so ohne das Buch nicht gegeben hätte. Vielen Dank also, Frau Ellermann.