Steven Biesty & Stewart Ross:
Ägypten – Eine Reise durch das Pharaonenreich.

Ill. Steven Biesty

Aus dem Englischen von Birgit Brandau.
München: Hanser 2005.

ISBN 3-446-20627-2.
32 Seiten.
14,90  €.

Ab 06 Jahre.

 

 

Biesty lässt uns mit seinen Bildern an einer Nilreise um 1200 v Chr auf 10 Doppelseiten teilnehmen, indem er immer wieder Dächer für uns abdeckt und Etagen nach „oben“ hebt, damit wir in das Innere schauen können. Ringsum gibt es außerdem viel zu entdecken, so dass wir nicht mit „Bildung“ überfrachtet werden und die Freude beim Betrachten nicht zu kurz kommt.

Der fruchtbare Nil

Ein Sachbuch, das durchaus auch als Bilderbuch durchgehen kann.
Eingebettet in eine Rahmenhandlung (der Kapitän nimmt seinen 11-jährigen Sohn mit auf die 30-tägige Fahrt) von Elephantine bis zum Nildelta) werden die Stationen auf dem Weg beschrieben, vor allem aber gezeichnet. Die großformatigen Bilder mit den vielen Einzelheiten weisen rings herum je kurze Anmerkungen sowie Erklärungen auf. Das können Namen (Ruderer, Hebel, Küche…) sein, aber auch kleine Hinweise auf das Leben zur damaligen Zeit (Frauen … / Brot und Bier … / Unterhaltung … usw.).
Man wird diese Texte wohl nur dann (vor-)lesen, wenn ein Informationsbedürfnis über das Bild hinaus besteht. Ansonsten schleichen sich die Information wie von selbst in unseren Kopf während wir die „Wimmelbilder“ betrachten. Das ist nicht immer ganz einfach, denn Biesty nimmt viele Einzelheiten mit auf in seine Darstellungen. Jede Fliese wird einzeln gezeichnet (und es gibt hunderte auf einer Seite), ganze Etagen werden teilweise abgehoben, Säulen unterbrochen, Wände verschoben, damit wir in das Innere von Gebäuden schauen können und sehen, wer sich dort befindet und was er dort macht. Das kann in Pyramiden sein, das Palasthaus von Rames II., ein Dorf im Tal der Könige oder der Tempel des Amun-Re.

Das Schauen erfordert vom Betrachter durchaus einige Fähigkeiten der Synthese zu einem vollständigen Gebäude (zumal ihm beim Tempel des Amun-Re bezüglich der Verfüllung mit Bruchsteinen ein Fehler unterläuft – verzeihlich bei einer solchen Komplexität) und „starke Nerven“ beim Nachvollziehen der Mumifizierung in 11 Schritte (…Leeren der Hirnschale…).

Ein je einseitiges Glossar wie Register beschließen das Buch mit dem schönen Wimmel-Rapport mit Szenen aus dem antiken ägyptischen Alltag in den Buch-Umschlagsseiten.

 

Die „Reise durch das Pharaonenreich“ ist sehr gut einzusetzen als Sachbuch im Geschichts-Unterricht der fünften Klassen, aber auch als Bilderbuch für Jüngere und als Nachschlage-Werk für ältere Kinder, ja, selbstverständlich auch für Erwachsene.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en