Jude Welton u.a.:
Impressionismus – Auf den Weg zur modernen Kunst.

Sehen – Staunen – Wissen

Aus dem Englischen von Andreas Schulz & Christina Callori-Gehlsen.
Hildesheim: Gerstenberg 2005.

ISBN 3-8067-5528-02.
64 Seiten.
12,90  €.

Ab 12 Jahre.

 

 

„Sie würden schon besser malen – wenn sie es könnten“ schrieb um 1880 ein deutscher Kritiker über die „Impressionisten“, die den herkömmlichen akademischen Kunstbetrieb ablehnten und (zumeist) lieber im Freien malten und das „moderne Leben“ im neuen Stil darstellten.

Beeindruckend

Édouard wie Claude Monet, Auguste Renoir, Camille Pissarro, Alfred Sisley, Edgar Degas u.a., aber auch Max Liebermann und Lovis Corinth gehören um 1880 dieser kurzen Epoche der Malerei an. Freizeitvergnügungen der Pariser Bourgeoisie waren ein beliebtes Thema, „flüchtige Effekte“ wollten sie einfangen, festhalten. Ihnen zugute kam die Erfindung der Metalltuben, so dass die Ölfarbe nicht austrocknen konnte. So konnten Spiegelungen der Landschaft im Wasser mit schnellen, flüchtigen breiten Pinselstrichen sofort „eingefroren“ werden. Ungezwungenheit und Leichtigkeit sollten die Bilder ausdrücken. Beeinflusst waren sie durch Eugène Chevreuls „Gesetz des simultanen Kontrastes“, das die Wechselwirkung von Farben zueinander behandelte. Starke Farbflecke verifizieren seine Aussagen, Pissarro bemalte sogar seine Palette, indem er die nur sechs benutzten leuchtenden Farben als Kleckse am Rand stehen ließ.
Auch von Renoir verwendete – wie eine Analyse ergab – nur acht leuchtende Farben. Dabei sind einige nass in nass aufgetragen, vermischen sich am Rand ohne eigenes Zutun und lassen die Blumen auf dem Hut des Mädchens leicht unscharf erscheinen. Die realitätsgetreue Abbildung der Welt überlassen die Impressionisten der Erfindung von Louis Daguerre von 1838: Monet besaß vier Foto-Apparate, Degas erwarb 1896 einen von Kodak, um mit Hilfe von Schnappschüssen Schärfe und Unschärfe der Figuren festzuhalten.

Das sehr sorgfältig recherchierte Buch ist in 31 Kapitel unterteilt, je eine Doppelseite behandelt je ein Thema. Das kann einem Künstler oder einem Thema vorbehalten sein. Hier werden Vergleiche zwischen den Künstlern dargestellt, dort eine Ausnahme, die Welt ringsum, die sie beeinflusste usw. Sehr großzügig wird mit dem Fotomaterial umgegangen, das je mit Untertiteln und einem kurzen Text belegt ist, während die jeweilige Überschrift und die Einführung ins Thema nur knapp eine Viertelseite ausmachen. Wir können kompositorische Aufbauten nachvollziehen und die Grundfarben eines Bildes erkennen, weil sie daneben gewischt wurden. Und wir erleben, warum die „kleine Clique“ der Impressionisten ach acht gemeinsamen Ausstellungen auseinanderbrach. Der Pointilismus ist einer von diesen.

Wie es sich für ein Sachbuch dieser Güte gehört, fehlt auch nicht ein informativer Anhang mit Register, Lebensdaten, Fachbegriffs-Erklärungen usw.
Die Frauen fehlen? Nein, der Platz für die Rezension ist nur zu knapp: Berthe Morisot und Mary Casatt werden sogar mit ihren Lebensdaten dargestellt.

 

Dass dies Sachbuch in jeder Schulbücherei (5. bis 13. Klasse) für den Bereich „Ästhetik“ stehen muss, erübrigt sich von selbst. Benutzbar ist es nicht nur als Nachschlage-, sondern auch als Anregungswerk und als Quelle für Facharbeiten.

Aber ebenfalls für den Privatgebrauch haben alle ihre Freude an den vielen Beispiel-Bildern, so dass es fast sogar als Bilderbuch dienen kann.