Einar Turkowski:
Es war finster und merkwürdig still.

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2005.

ISBN 3-7152-0513-X.
24 Seiten.
17,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Wer sich auf einer Sandbank mit seinem Schiff trocken fallen lässt und dann das verlassene Haus vor den Dünen bezieht – mit dem kann etwas nicht stimmen. Das wissen die Leute der kleinen Stadt sofort. Also: Beobachten!

Wolkenmelker

Im Bei-Titel heißt es: „Eine Küstengeschichte“, aber es ist wohl eher eine über einen Sonderling, der von wortkargen Menschen misstrauisch beäugt wird. Dem Mistrauen folgt Ausgrenzung und anschließend Neid, der zur Vertreibung geführt hätte, wäre der Mann nicht von allein fort gegangen – traurig zwar, aber auch sich selbst genug.
Die zurück Gebliebenen aber wollen seinen Erfolg ohne dessen Geheimnis zu ergründen. So endet das Ganze in einer Katastrophe.

Wir haben es mit einem Mann zu tun, der plötzlich am Strand auftaucht. Er hat sein Schiff trocken fallen lassen und bezieht das verlassene Haus. Dort geschehen dann allerdings Dinge, die zunächst niemand aus der nahen Stadt versteht. Doch die Leute ist neugierig. Sie bauen sich versteckte Unterstände, von denen sie den Sonderling per Fernglas verfolgen können. Sie machen Strichlisten, fertigen sich Beobachtungskriterien, schließen automatisch startende Kameras mit Mikrofonzusatz an Beobachtungsstationen an. Immer größer werden die Geräte, immer länger sitzen sie in den Verstecken, bis sie letztlich heraus bekommen, was der Mann da treibt. Er melkt die Wolken.
Zunächst harpuniert er sie, bindet sie fest und wartet auf den morgendlichen Wind. Der lässt sie dann abregnen. Was sich nicht alles in so einer Wolke befindet! Der Mann stellt die Dinge zum Trocknen auf und bindet die Fische, die nach dem Fall im Sand steckten, auf eine Leine, um sie später zu verzehren oder evtl. zu verkaufen.
Aber die Menschen wollen ihn nicht und wollen nicht seine Ware. Sie neiden ihm sein Glück, denn ihre eigenen Versuche, es dem Mann gleich zu tun, scheitern kläglich. Sie beschließen seine Vertreibung. „Schließlich waren sie viele – und was viele sagen, das konnte nicht falsch sein“: Der Mann muss weg, die Regenfische gehören ihnen und alle anderen aus den Wolken regnenden Dinge ebenfalls.

 

Dem tiefschwarzen Inneneinband folgen schwarz-weiß-graue Bilder von sehr ungewöhnlichem Inhalt. Schifffahrt, das sind Tampen und Seil, Gei und Strick, Spleiß und Steek, Talje und Flaschenzug, Haken und Boje, Fender und Bulleye, Ruderblatt und Kompass. Und in der Tat wimmelt jedes Bild nur so von Verschnürungen, mal straff, mal durchhängend, mal von hier nach dort, mal umgeleitet, mal im Schekel festgemacht, mal geknotet oder im Hering mit dem Strandboden verbunden.

Dazu kommen eine Reihe von geheimen Zeichen. Dazu gehören versteckte Zahlen, die vielen kleine enge Durchlässe bzw. Schlitze in den Flächen, die  als Fenster dienen können, Schießscharten, oder auch nur dem Luftdurchlass dienen. Um das noch zu toppen, gibt es scheinbare Erfindungen von irrwitzigen Maschinen inkl. Detailzeichnungen mit erfundenen Namen, die eine Nutzung vorgaukeln: Seilwanne, Fangaufsatz, Gelenkboje, Rotationsgewicht, Wirbelarm usw.

Herrlich schräg, wunderbar merkwürdig, sehr ungewöhnlich als Erstlingswerk.