Barbara Kindermann nach William Shakespeare:
Ein Sommernachtstraum.

Illustrationen von Almud Kunert.

Berlin: Kindermann 2005.

ISBN 3-934029-14-0.
36 Seiten.
15,50  €.

Ab 07 Jahre.

 

 

Den bunten Reigen um Verliebt sein und um Heirat nach Stand und Gesetz und Verzaubert sein im Wald der Elfen dreht die Komödie von Shakespeare, geschrieben um 1600 und immer noch aktuell – Dank des deutschen Theaters und jetzt auch Dank der Nacherzählerin Kindermann.

Puck und die Folgen

Wunderbar, wie die Illustratorin Kunert in einer Art Vorwort das Kommende karikiert: Ein kleiner fliegender Teufel mit sehr langem Schwanz mit einer Pfeilspitze am Ende bemerkt, was gleich passieren wird: Abrupter Stopp ist angesagt! Herrlich, dieser Augen-Blick des Teufels, der damit unfreiwillig den Moment gegen Ende der Geschichte beschreibt, als Oberon nach all den Verwirrungen beschließt, alles wieder in Ordnung zu bringen, nachdem doch so viel Chaos zwischen den Personen entstanden war.
Drei Gruppen bestimmen die Geschichte: Da gibt es zunächst die Athener. Der Herzog will heiraten, zwei weitere Paare wollen auch heiraten; bei denen ist es aber nicht so ganz geregelt, denn zwischen der Liebe steht der Wille der Väter. Die zweite Gruppe ist die der Elfen. Oberon möchte – und das ist wohl kein heikler Punkt im antiken Griechenland aber sehr wohl im heutigen Deutschland – den kleinen griechischen Knaben seiner Frau für sich haben (Dazu mehr zum Schluss dieser Rezension.) Also versucht er durch Puck die Situation für sich zu gestalten. Die dritte Gruppe dient der Verwirrung und der Komödie. Es ist eine Laien-Theatergruppe einiger Handwerker, die ein Theaterstück für die erste Gruppe einstudieren – und die der Illustratorin Kunert mehrfach dienen.

Die spielt nämlich damit, dass eine Puppe eine andere an den Fäden zieht, und dass im Wald Theatervorhänge hängen oder gar (zum Schluss) zugezogen werden können. Die Kobolde und Feen sind es, die die puppig gestalteten Menschen an den gar nicht straffen Fäden ziehen, sie loslassen, in den Verwirrungen verknoten. Erst zum Schluss verschwinden die Fäden, kehren die Handelnden zu Menschen in ihrer Situation zurück. Dafür gerät die Umwelt in Unordnung: Dunkle Fenster in den Zypressen, überall schlaue Eulen, die ihr Wissen bekanntermaßen nach Athen tragen, wo der Kern dieser Sommernacht liegt. - Zu den Illustrationen im Einzelnen ließe sich trefflich Vieles noch hinzufügen.

Zum Text muss bemängelt werden, dass er – im Gegensatz zu anderen Büchern der Autorin Kindermann – nicht nur sehr ausladend ist, sondern auch die Sprachform imitiert. Beide sind für viele Kinder schwer nachvollziehbar. Worte wie „trefflich“ (in dieser Rezension verwendet) sind nicht Allgemeingut. Griechische Mythologie darf man auch nicht voraussetzen, griechische Lebensweise erst recht nicht. Von daher war die Auswahl, den Sommernachtstraum von Shakespeare in die wohlfeile Reihe zu setzen, nicht eben glücklich.

Dazu kommt meine Meinung zu Oberons Libido bezüglich des jungen Griechen, der bei seiner Frau Unterschlupf fand und den er nun begehrt: Nein, so weit darf Werkstreue nicht führen. Kindesmissbrauch ist auch nicht unter dem Aspekt „Zitat“ akzeptabel. Ob man also Theaterstücke oder Literatur mit solch (peripheren) Inhalt überhaupt noch öffentlich machen darf – oder ihnen bei Verbreitung einen deutlichen Hinweis geben muss, wird hier nicht problematisiert. Ja, wir Erwachsenen wissen (eventuell) ob der griechischen Lebensweise, die auch sehr viele Vorteile für alle Beteiligte brachte. Aber für heutige Augen und Ohren und Gehirne muss man das anders gestalten.

Tolle Bilder, sehr gut umgesetzter Shakespeare, aber … (siehe oben).