Clement Clarke Moore & Lisbeth Zwerger:
Die Nacht vor Weihnachten – The Night before Christmas

Aus dem Englischen von Erich Kästner

Kiel: Michael Neugebauer Edition 2005.

ISBN 3-86566-030-4.
32 Seiten.
14,90  €.

Ab 6 Jahre.

 

 

Am Tag vor Weihnachten, also am 24. Dezember kommt in England (usw.) Nikolaus und steckt Geschenke in die Socken. Das berühmte Gedicht wurde von Kästner 1947 gereimt übersetzt und ist jetzt dreisprachig erschienen: Englisch, Deutsch, Zwergerisch (= tolle Bilder).

Christmas Eve

Die Übersetzung eines der bekanntesten Weihnachtsgedichte des englisch-sprachigen Raumes fand bereits 1947 statt. Kein geringerer als Erich Kästner hat sich des Gedichtes angenommen und dichtet mehr nach als dass er dem Wortlaut das Wort spricht, wie sonst auch könnte eine ebenfalls gereimte Fassung gelingen. Schön, dass beide Fassungen untereinander abgedruckt sind, da haben die Erwachsenen ihre Freude und die Kinder später auch.
Für Unkundige ist jedoch der Ablauf nicht ganz klar. Während im deutschen Sprachraum der Heilige Abend, also der 24. Dezember zum eigentlich Festtag geriet, ist es im anglo-amerikanischen der 25. Dezember. Am Abend davor (also am „Heiligen Abend“) werden die an den Kamin gehängten Socken vom Heiligen Nikolaus gefüllt (der Brauch, der also in Deutschland auf den 06. Dezember vorverlegt ist).

Papa erzählt: Alle sechs (Mama, Papa, vier Kinder) lagen gekuschelt in ein- und demselben Bett, als er durch einen Lärm aufwachte und aus dem Bett sprang. Acht Rentiere, ein Schlitten: Nikolaus! Der lässt sich durch den Vater aber gar nicht in seiner Arbeit behindert, kommt durch den Kamin, stopft die Strümpfe mit Geschenken, arbeitet wohl auch noch am Tannenbaum, nickt noch mal und verschwindet wieder: Fröhliche Weihnachten überall!

Lisbeth Zwerger malt. Auf dem Schmutztitel ist der Heilige Nikolaus mit Bischofsstab in Gold, ansonsten nutzt sie fast immer eine ganze Seite aus. Das erste Bild korrespondiert mit dem letzten. Dort ist eine „Person“ im Bett zu sehen, rot gestreifter Schlafanzug, ganz so, wie ihn kurz darauf Papa tragen wird. Hier aber ist es eine Maus („…not a creature was stirring, not even a mouse…), die auf dem ersten Bild von hinten eingekuschelt unter der Zudecke gerade so zu erkennen ist und auf dem letzten den Weihnachtsgruß heraus ruft aus dem Bild. Dazwischen illustriert sie wohl den Text, findet aber auch immer Gelegenheiten, darüber hinaus zu erzählen. So werden alle Geschenke, die Transportmittel sind, hinter dem Schlitten hergezogen, denn auf ihm ist nur wenig Platz. Nikolaus zur Seite stehen 4 Wichtel, einer von ihnen hat eine rote Nase – als wäre die nicht Rudolf vorbehalten! Ihre Häuser sind alte Tudor-Häuser im englischen Stil, symmetrisch aufgebaut und mit einem großen Kamin-Abzug ausgerüstet, der offensichtlich recht sauber gefegt ist, denn das Rot des Nikolaus-Mantels weist nur wenige Graustellen auf (im Text ergeht es ihm da schon schlechter: „Jetzt klebte er freilich voll Asche und Ruß…“).
Und noch eine Kleinigkeit konnte Zwerger, die ansonsten wenig karikaturhaft zeichnet, offensichtlich nicht lassen. Es werden kleine Puppen an den Weihnachtsbaum gehängt. Mickey Mouse hängt schon – allerdings so, als wäre der Strick um den Hals gelegt und die heraus hängende Zunge ein weiteres Indiz, dass hier ein – wenn auch kleiner – Seitenhieb auf die „Welt(sicht) von Disney“ sehr bewusst durchgeführt wurde. (Anm.: Mit Recht. Zwergers Maus ist viel freundlicher und echter. Und die wünscht uns allen auch noch: Fröhliche Weihnachten!)