Arnhild Kantelhardt (Hrsg.) & Kat Menschik:
Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen.

Bilder von Kat Menschik.

Hildesheim: Gerstenberg 2005.

ISBN 3-8067-5088-2.
192 Seiten.
24,90  €.

Ab 10 Jahre.

 

 

24 Geschichten um Schreckensnächte, schaurige Gestalten und aus dem Reich der Toten. Wer sich nicht gruselt, darf auch mal schmunzeln. Hervorragend geeignet zum Vorlesen in Lesenächten oder des Abends in Schullandheimen.

Buh!

Einige der Geschichten werden mit zwinkerndem Auge erzählt, andere spielen mit Verwechslungen. Noch andere packen den Leser beim schlimmsten aller Schrecken, nämlich dem, der in der eigenen Phantasie entsteht: Kann es nicht wirklich sein, dass der Zellklumpen Mensch sich von Viren Stück für Stück innerlich zugestalten lässt, bis ein neues Wesen in der alten Hülle entstanden ist?
Wieder andere Geschichten erlösen den Verwunschenen und in einer wird das Gespenst gefragt, warum es eigentlich an den Ort des großen Unglücks zurück kehrt, anstatt sich eine schöne warme Gegend vielleicht am Strand zu suchen. Ja, solche Fragen hat man sich als Gespenst noch nicht gestellt, oder?

Der Titel entstammt dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm. Bis auf vier Autoren sind alle bereits verstorben, viele lebten um die vor-letzte Jahrhundertwende (Rudyard Kipling, Guy de Maupassant, Knut Hamsun, Dorothy L. Sayers usw.) und schreiben in einem schönen, manchmal etwas altertümlichem Stil („Ich tu ihn kennen, seit..“, „...einer der Männer sollte rüber ins Dorf reiten...“, „... kam er von den Besitzungen in den Vorbergen angeritten...“), der dem Thema sehr angemessen ist.

Ein zusätzlicher Bonbon aber sind die Bilder, die leider nur der Vorleser sehen kann, wenn er des Abends seiner Schulklasse eine unruhige Nacht bescheren möchte. Kat Menschik malt mit eigentümlich klaren Flächen und schafft dennoch Charakter in die Gesichter. Die Bilder steckt sie in schmale Formen zwischen die Texte, manchmal in Form eines Triptichons, oder in kleine Quadrate, die als Initial die Geschichte oder einen Abschnitt beginnen. Wunderbar und sehr geschmacksbildend.

Das Buch darf in keinem Bestand eines Klassenlehrers (einer Klassenlehrerin) einer 5. bis 9. Klasse fehlen. Die Kinder lechzen danach wie wir es früher auch machten.