Helga Gebert (Text und Bilder):
Aladin und die Wunderlampe. Geschichten aus 1001 Nacht.

Weinheim: Beltz & Gelberg 2005.

ISBN 3-407-79903-9.
318 Seiten.
29,90  €.

 

 

Kann ein über 300 Seiten starkes Textbuch zugleich ein Bilderbuch sein? Ja. Und die Nacherzählerin ist auch noch die, die vielen ganz wunderbaren Bilder mit dem vielen Goldgelb und den traumhaft schönen Wesen gemalt hat.

Teile von 1001

Wo andere Erzähler die Geschichte von Aladin in weniger als 10 (groß gedruckten) Seiten erzählen, braucht Helga Gebert 67 eng bedruckte. Auch wenn darin 18 ganzseitige Bilder eingeschlossen sind, so spricht das für eine dichtere Sprache, eine, die der blumenreichen Erzählweise des Orients wohl erheblich näher liegt, als nur einfach eine Geschichte aufzuschreiben.
Zum Aufschreiben nimmt sie im Vorwort Stellung. Die Geschichten aus 1001 Nacht mit der Rahmenhandlung der Scheheraz
d, die dem grausamen König Scheherban so lange Geschichten erzählt, bis dieser in Liebe zu ihr erglüht, finden sich schon in den Jataka-Geschichten wieder, die um das (christliche) Jahr 0 herum in Indien entstanden. Diese wiederum haben noch ältere Quellen in Indien und China, so dass wir die Nacht-Gechichten getrost dorthin zuordnen können, während die Tag-Geschichten eher aus dem Nahen Osten stammen. Sehr verschiedene Quellen wurden hinzugefügt, eingefügt, veränderten Teile.
Helga Gebert schreibt, sie habe sogar Arabisch gelernt, um sich über den Klang der Worte dem Inhalt zu nähern.

Sie spart auch nicht den erotischen Teil der vielseits bekannten Geschichten aus, von denen sie überhaupt nur fünf erzählt: Aladin – Ebenholzpferd – Sindbad – Meerfrau – Liebe.
Die Bilder haben oft einen Rahmen und sind konzentriert auf einen konkreten Handlungsstrang, illustrieren insofern „nur“. Andererseits eröffnen sie völlig andere Dimensionen durch die Charaktere, die erfunden werden, sowie deren Attribute: Hier eine erstaunte Katze, dort ein Gewand, das mit chinesischen Mustern bedruckt ist. Hier ein markantes Gesicht mit stechenden Augen, dort ein verspieltes Muster im Umhang. Hier ein riesiger dunkler Dschinn mit großen Brüsten und drei leuchtenden Augen, dort der Bildrahmen, der sich (nur) an den Ecken musterlich entfaltet. Immer umgibt die Bilder etwas Geheimnisvolles, für unsere Augen Ungewöhnliches. Sei es in der Zusammensetzung, sei es im Inhalt: ein arabischer Mann ohne Waffen steht rechts unten, während sich aus der Tiefe der oberen Bildmitte sich ihm eine riesige Schlange mit Drachenkopf nähert.

 

Das ist kein Buch für jemanden, der sich eben den Inhalt der 1001-Nacht-Geschichten ins Gedächtnis rufen will oder sich eben mal über den Inhalt informieren will.

Das ist ein Buch für alle, die den Inhalt wohl kennen, sich aber erfreuen wollen an der Geschichte, an den Worten, an den sprachlichen wie den tatsächlichen Bildern, an der dramatischen Entwicklung, den retardierenden Momenten und den blumenreichen Neben-Geschichten.

Ein echtes Sammlerstück, das man gern seinen Enkeln ausborgen mag, wenn sie alt genug sind, das Buch sorgfältig zu behandeln.