Erwin Strittmatter (Text) & Klaus Ensikat (Bilder):
Ponyweihnacht.

Berlin: Aufbau 2005.

ISBN 3-351-04055-5.
32 Seiten.
12,50  €.

Ab 4 Jahre.

 

 

Just am Heiligen Abend sind die Ponys ausgebüchst und trotz aller Suche nicht zu finden. Erst am nächsten Tag meldet sich der Nachtwächter einer Großbaustelle. Er habe die Ponys gerettet und will sie wohl gegen einen anständigen Finderlohn wieder aushändigen.

Die Ponys sind weg

Der Text ist schon aus dem Jahr 1971 und sein derzeitiger Abdruck hat ein wenig mit „Ostalgie“ zu tun. Da gibt es den netten VoPo mit seiner weißen Mütze, der glänzende Jungenaugen beim Anblick der Ponykutsche bekommt und nachsichtig wird. Da gibt es das knatternde einsitzige Motorrad mit dem Kettenschutz, auf dem der Nachwächter mit seiner Lederhaube sitzt. Die mit Kopfsteinen gepflasterte Gasse darf nach dem hiesigen Verlag benannt sein und die Großbaustelle das Schild „VEB / Straßen / u. Tiefbau / Neubrande / nburg“ tragen.

Der eigentlichen Weihnachtsgeschichte wird die Situation vorangestellt: Meister Emil wohnt auf dem Land in einem größeren Bauernhof. Die Kinder gehören genauso dazu wie die sechs Ponys, die zum Teil (noch) so klein sind, dass sie unter den Küchentisch passen. Ein Ausflug mit der Kutsche in die Nachbarstadt gerät regelmäßig zur kleinen Attraktion. Einige Kinder dürfen ein Stück mit fahren, die Ladebesitzer oder andere Menschen geben den Tieren etwas zu essen. Das ist auch der Grund für das Ausbüxen der Ponys am Heilig Abend.
Der Rest der Geschichte ist schon fast bekannt. Die Tiere kommen zum besagten Nachtwächter. Der, schon leicht beschwipst vom „Festschnaps der Liebe“, nimmt sich der Tiere an, füttert sie und räumt immerfort das Gegenteil von Futter und Wasser aus der Kantine fort – bis Meister Emil mit den Kindern kommt und die Tiere für das zweite Weihnachtsfest wieder abholt.

Die Bilder von Klaus Ensikat sind leider nicht durchgängig ‚hervorragend’, einige gar ein bisschen enttäuschend. Da malt er eins der Ponys als süßen Knappstrupper (man kennt ihn in der großen Version von Pippi Langstrumpf) und verpasst auf der Doppelseite 8 / 9 den Menschen ohne Hintergrund fast fratzenhafte Gesichter als seien sie bearbeitete Fotografien mit Köpfen, die in Größe und Aufbau nicht passen, und er nutzt seine Linien, die ihn unverwechselbar machen, als bloße Schatten. In abgeschwächter Form macht er das mehrmals und er gibt – wie schon kurz erwähnt – einigen Zeichnungen etwas Süßliches, das man von ihm nicht erwartet.

Dann wieder ist er der wunderbare Beobachter, der skurrile Gestalten entstehen lässt unter seinen engen Strichen. Und er nimmt das Leben der dargestellte Zeit, das er gut kennt, ein bisschen auf den Arm, wenn er die Losung fast unleserlich von der Wand abgelöst zeichnet und die brüderlichen Fahnen der UdSSR und die der DDR müde und zerknautscht zeichnet, als wären es Vorhänge, die von der Gardinenstange herunter rutschten.

 

Ein Weihnachtsbuch für Pony- / Pferdeliebhaber und solche, die sich in die kleine Geschichte hinein denken wollen und / oder können.