Didier Lévy & Matthieu Roussel:
Angelman.

Aus dem Französischen von Edmund Jacoby.
Hildesheim: Gerstenberg 2005.

ISBN 3-8067-5091-2.
36 Seiten.
12,90  €.

Ab 04 Jahre.

 

 

Sehr merkwürdige Wesen auf dem Titelbild: Den Roboter kann man noch gut als Roboter erkennen, aber was für eine Art Mensch sitzt denn da voller Kummer und setzt offensichtlich seine Hoffnung auf eben diesen Roboter mit den Dreiradbeinen? Ist es überhaupt ein Mensch? Ein Alien in Menschengestalt? Das macht uns neugierig - und der Name des Buches auch. Ist der Angelman ein „Engel“mensch? Eine Krankheit (siehe P.S.)?

Schutz der Nachkommen

Schon sehr bald stellt sich heraus, dass der Junge Arnie heißt und der Roboter Alfi und dass Herr Angel oben im siebten Stock wohnt. Herr Angel wohnt dort und ist eine Mischung aus fotografiertem Menschen in weißem Anzug mit modelliertem Kopf und weißen nach hinten gekämmten Haaren. Auch die Hände sind modelliert. Arnie sieht noch schlimmer aus, denn es könnte ein Foto von einem Menschen sein, der doch eindeutig ein Wesen des Computers ist.
Alfi der Roboter zeigt Arnie, dass der alte Herr Angel früher eine berühmte Persönlichkeit war, denn er rettete so manch einem Menschen das Leben, so wie es später Phantoman und noch später Spider-, Super- und vielleicht auch Batman machten. Diese übernahmen nach und nach Angelmans Rolle und verdrängten ihn aus dem Rampenlicht. Übrig blieb Herr Angel, unauffällig und zurückgezogen lebend im 7. Stock mit seinem Roboter.
Dass Arnie bewusst hineingezogen wird und ihm eine Aufgabe zugedacht wird, deren er sich bald nicht erwehren will, merken wir im Lauf der Geschichte. Mr. Angel hat noch einen letzten Einsatz vor.

Hier ist viel mit dem Computer gearbeitet worden: Die Illustrationen sind mit Hilfe der beiden Computer-Programme Strata 3D / Adobe Photoshop hergestellt worden. Dabei wurden Fotografien benutzt, um sie so zu verfremden, dass das Abgebildete ausgesprochen künstlich ausschaut. Das Licht hinterlässt merkwürdig scharfe Schatten, der Haarschopf ist nur als Masse, Fläche und nicht als Summe von Haaren zu erkennen. Die Figuren selbst sehen aus, als seien sie mit Plastilin o.ä. modelliert und dann in die Kleidung projiziert worden. Da sieht der Roboter Alfi fast „normaler“ aus, da klar ist, dass er gebastelt wurde und nicht so tut, als hätte er eine Vergangenheit, die man in einem Fotoalbum oder einer Schachtel nachschauen könne.
Zur Darstellung kommt die Perspektive, die zum Teil recht ungewöhnlich ist. So sehen wir eine Szenerie in Höhe des Roboters, dessen Kopf in Höhe des Türknaufs ist, oder Alfie und Arnie aus der Frosch-Perspektive, als sie Angelman abwinken.

Die Mischung von Künstlichkeit und Fotografie, von glatten Flächen und scharfen Schatten schafft eine beklemmende Situation, die wir erst nach und nach ablegen können. Dann aber kann es sogar ein Lieblingsbuch werden.

 

 

P.S. „Unter dem Angelman-Syndrom versteht man einen neurologischen Gendefekt, der durch eine angeborene Intelligenzstörung, eine fehlende Sprachentwicklung und epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Die betroffenen Patienten haben außerdem eine gestörte psychomotorische Entwicklung.“
 (Quelle: http://www.onmeda.de/krankheiten/angelman_syndrom.html) – trifft auf die Geschichte aber gar nicht zu.