Ringelnatz & Tatjana Hauptmann:
Das große Ringelnatz-Buch  Die schönsten Gedichte und Geschichten.

Zürich: Diogenes 2005.

ISBN 3-257-01012-5.
138 Seiten.
24,90  €.

Ab 10 Jahre.

 

 

Die 112 ganz kurzen Gedichte, die sich manchmal als kurze Geschichte ausweiten, sind voll von einem Humor, den man auch heute noch gut verstehen kann, wenn man gewillt ist, sich darauf einzulassen. Zur kurzweiligen Unterhaltung oder auch als Hingucker zeichnet Tatjana Hauptmann dazu mit ihrem Kohle- oder Bleistift.

 Sinn im Unsinn

Vielleicht sind die kurzen Geschichten noch witziger als die Gedichte, bauen sie doch die kommende Überraschung behutsam auf, während ein Zweizeiler sofort zur Sache kommt: Der Spanier lebt in fernen Zonen / für die, die weitab davon wohnen.“ ist ein solcher. Man stockt, überlegt ganz kurz, sagt: „Na klar.“ und „Schön.“ und geht zum nächsten Gedicht.
Davon gibt es bekanntlich mehr als 100, die sowohl per Überschrift als auch mit ihrem Anfang in einem dreiseitigen Inhaltsverzeichnis auf das jeweilige Gedicht aufmerksam macht.

Allen gemein ist diese Art von Humor, der aus dem o.g. Zweizeiler sprüht: Fladen – meinten die Maden oder Ach nein! - grunzte das Schwein. Allen gemein ist eine Art von Unsinn, der erst später Eingang als englischer „Nonsense“ Eingang gefunden hat in den deutschen Wortschatz.

Das Buch ist liebevoll und aufwändig gestaltet, gibt den Gedichten wie den Zeichnungen Platz, den beide aber nur zum Teil nutzen. So entsteht ein Eindruck von „Platz-Verschwendung“, den sich nur besonders Gutes oder besonders Teures leisten kann.

Ringelnatz, der bürgerlich Hans Bötticher hieß, war das, was man heute Kleinkünstler nennt. Seine Gedichte durfte er allerdings nur recht kurze Zeit in den kleinen Kabaretts vortragen, denn schon 1933 erhält er im Nazi-Deutschland Auftrittsverbot und stirbt verarmt 1934. Was blieb hat ein Forum verdient. Hier ist eins.