Madonna Ritchie (Text) & Rui Paes (Bilder):
Billie Bargeld.

Aus dem Amerikanischen von Michael Krüger.

München: Hanser 2005.

ISBN 3-446-20512-8.
48 Seiten.
12,90  €.

Ab 05 Jahre.

 

 

Sechs Lehren und ein ihm zweifach mitgeteiltes Geheimnis machen aus einem sehr reichen Kaufmann endlich einen glücklichen Menschen. Eine Binsenweisheit (Geld macht nicht glücklich) wird von Rui Paes mit Tieren als Mensch-Ersatz wunderbar in Szene gesetzt.

Gold essen

An verschiedenen Stellen erleben wir die Nachteile der Multi-lingualen-Ausgabe des Buches, weil der Text eben nicht abgesetzt wird, sondern in den Bildern integriert erscheinen soll: Fremdkörper in den Bildern, denen ansonsten nur mit „Hut ab“ begegnet werden sollte. Wunderbar zeichnet der Mosambiker Rui Paes in seinem ersten Bilderbuch. Sein Titelheld ist ein stolzer (Wind-) Hund in der Kleidung um 1750. Besonders auffällig die roten Kniebundhosen und der stolze gerade Blick des Hundes. Das zu groß geratene Eichhörnchen kann gerade so den Schirm halten, der zu klein geratene Löwe ist Kopf gegen Kopf einer Schnecke, der Affe trägt das Schild mit „L de C“ (Originaltitel: „Lotsa de Casha“) und das immer noch sehr exotische Dodo darf vorangehen. Paes eröffnet sodann eine barocke Welt, in der der reichste Mann im Land (eben Billie Bargeld, der Hund) sehr edel und absolut passend hingehört.
Dass Billie nicht glücklich ist, das sieht man nicht, denn sein Ausdruck ist der seiner Kaste: Mit geradem Blick erscheint er ziemlich „hochnäsig“. Erst nachdem er Räubern in die Hände fällt, kommt der Umschwung. Interessanterweise hilft ihm (das erfahren wir aber erst später) sein Vorgänger als Schlossbesitzer, denn der hat die Botschaft („Wenn du teilst, was du besitzt, und anderen den Vortritt lässt, wirst du das Glück auf Erden finden.“) seinerzeit selbst umgesetzt – und wird jetzt der Freund des Reichen. Denn: „Wenn du lernst zu teilen, wirst du nicht nur das Glück finden. Du findest auch einen Freund.“ Fuchs und Stier gehen Arm in Arm in das Schloss, Äffchen und Eichhörnchen heißen sie will willkommen, der römische Brunnen fließt über im Hintergrund.

Unter den bestimmt sehr stringenten Bedingungen (sicherlich eine Auftragsarbeit) zeigt der Illustrator zwar einige Schwachstellen, findet andererseits aber auch Raum für eigene kleine Nebengeschichten. Man kann zum Beispiel die Schnecken verfolgen oder den Igel. Die Bedeutung des Hahns in mehreren Bildern ist unklar (wach auf? pass auf?) wie auch die Verbindung von Sonne und Mond in mehreren Bildern, die Picassos Problem mit der gleichzeitigen Darstellung von Front- und Seitenansicht teilen.

Madonna hat es also wieder einmal geschafft, eine einfache Wahrheit in ein Bilderbuch umzusetzen, dass ob ihres eigenen Bekanntheitsgrades wieder einen hervorragenden Illustrator und eine entsprechend große Auflagenstärke gefunden hat.
5 Sterne für das Buch – trotz der zu Beginn genannten Mängel.