Malachy Doyle & Carll Cneut:
Antonio auf der anderen Seite der Welt.

Aus dem Englischen von Elisabeth Reichart.

St.Pölten: NP 2005.

ISBN 3-85326-300-3.
32 Seiten.
14,90  €.

Ab 5 Jahre.

 

 

Wenn man fern der Heimat ist, verblasst man in den Gedanken der Zurückgebliebenen immer mehr. Das nimmt Doyle wörtlich und lässt Antonio immer kleiner werden. Da wird es also Zeit, dass der Sohn zu seiner Mutter zurückkehrt. Ungewöhnlich und geschmacksbildend ins Bild gesetzt von Carll Cneut.

Sehnsucht macht klein

Antonio besucht seine Oma auf der anderen Seite der Welt. Dort rudert man in venezianischen Gondeln, und verspielte Meeresungeheuer freuen sich über die ihnen zugeworfenen Marmeladenbrote. Ein exotischer Vogel vom nahen Urwald darf auch mit von der Partie sein. Als Antonio aber immer kleiner wird, weiß seine Oma Rat: Es wird Zeit sich auf den Heimweg zu machen.
Auf dem Segelboot fährt er als Schiffsjunge mit, auf der Eisenbahn bedient er die Lokpfeife, vom Cowboy leiht er sich ein Pferd und ist endlich, endlich zu Hause. Aber seine Mutter erkennt ihn zunächst nicht, weil er SO klein geworden ist. Dann gibt es aber doch ein Happy End, seine Mutter päppelt ihn wieder auf.

Der Illustrator Carll Cneut, mit Preisen überhäuft und Liebling der Szene, liefert wieder sehr überzeugende Bilder ab. Seine Figuren sind plakative Typen, die in jeder Szene der Geschichte deutlich wieder erkennbar sind. Großmutter trägt (natürlich) Brille (rund und gemütlich), ihr Hut wird von einem umgebundenen Tuch gehalten und ihre schwarze Bügelhandtasche hängt in der linken Armbeuge. Entsprechend gilt für Antonio und auch für seine Mutter, dass auch sie stereotyp wieder erkennbar dargestellt werden. Die anderen Personen treten je nur einmal auf.
Die Tiere dürfen vermenschlicht sein; die Meeresungeheuer haben dort, wo man Krallen oder Spitze vermuten könnte, kleine Kugeln, sind also deutlich ungefährlich. Ansonsten gibt es neben dem Reitpferd nur Kleintiere, Vögel, Insekten, Mäuse usw. Ja, auf jedem Bild sind Tiere zu finden, nur nicht auf der Doppelseite, auf der die Mutter ihr Kind mit liebevoll zubereiteter Nahrung versorgt, damit er wieder wird wie er einmal war. Das geht nur sie und ihren Sohn etwas an.

Cneut verzichtet auf realistische Größenverhältnisse und Darstellungen, ohne direkt abstrakt zu zeichnen. Seine Räder sind schwarze Kreise mit einer Nabe, der Lokomotiv-Führer passt ob seiner Größe nicht ganz in das Führerhaus, die relativ dicken Arme (Beine) der Personen münden in lächerlich kleinen Händen (Füßen), die Kleidung besteht oft aus auffällig gemusterten Stoffen.
Trotz Verzichts auf korrekte Perspektive entsteht räumliche Tiefe, obwohl auch Hinter- wie Vordergrund oft aus aquarellierter einfarbiger Fläche bestehen.

Ein tolles Buch für alle Liebhaber von Bilderbüchern, also auch für Kinder, die die Geschichte sehr gut verstehen können (besonders, wenn sie schon mal – allein- bei Oma übernachten durften) und die Bilder lieben lernen.