Brigitte Schär & Jörg Müller:
Die Weihnachtsshow
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Düsseldorf: Sauerländer bei Patmos 2005.

ISBN 3-7941-5092-9.
32 Seiten.
14,90  €.

Ab 06 Jahre.

 

 

Der Versuche, Osterhase und Weihnachtsmann zu mischen, gibt es viele. Hier haben wir ein fast genial gelungenes Exemplar. Erstens hat es Jörg Müller illustriert und zweitens hat Brigitte Schär einige sehr gelungene Ideen, um die Geschichte glaubwürdig zu machen.

Kalenderwesen

Das Konstrukt der Frau Schär ist zunächst eine Insel, auf der alle die wohnen, die „im Kalender ihren Auftritt haben“. Dort wohnen Christkind wie Osterhase, Heilige drei Könige, Schutzengel und alle, die mit einem Maya-Tempel, einem indianische Totempfahl, den Stonehenge-Steinen oder einem Schnee-Schüttelhaus in Verbindung gebracht werden können. Der Einsatzleiter für all die dort wohnenden Personen ist der zweite geniale Streich. Er nennt sich Kalendermacher und wohnt in einer Gegend, die der heutigen New York City im Ortsteil Brooklyn entsprungen sein könnte. Auch wenn der Kalendermacher sich mit alten Bildern von Kopernikus und Co. umgibt, so bedient er sich zugleich der modernen Computertechnik. Und er ist offensichtlich ein „Chef“, vor dem alle Respekt haben. Spätestens, wenn sie zum Rapport bestellt werden.
Das genau passiert dem Osterhasen, der zwar mit grundsätzlicher Duldung des Kalendermachers das Vertauschen von Christkind und Osterhase betreibt. Das Christkind bindet dabei neu die Schutzengel mit ein, die wiederum ihrer Fantasie freien Lauf bei der Gestaltung der Ostereier lassen (Jörg Müller folgt diesen Ideen und setzt noch Einiges oben drauf). Der Osterhase aber übertreibt. Erstens wird klar, dass es sich bei dem Weihnachtsfest um eine TV-Show handelt, und zweitens, dass man diese konditionieren und beeinflussen kann. Der Osterhase wird DER STAR. Als er allerdings nach Hause kommt, wird er zum Rapport bestellt: So hat es der Kalendermacher nicht gemeint mit seiner Erlaubnis!

Jörg Müller hat bei seinen Bildern eine Vorliebe für die Frosch-Perspektive. In seine realitätsgetreuen, peniblen Zeichnungen bindet er fast kitschige Figuren ein. Das Christkind ist ein Jung-Yuppie mit Baseball-Mütze und Windel, faul, intelligent und hat Charisma. Der Osterhase ist mit seinem eiförmigen Hubschrauber unterwegs und liefert der sensationsgierigen Welt das, was sie sehen und hören will: Neues, Spektakuläres.

Wir ertappen uns, empfinden die umgesetzten Ideen entweder als Blasphemie oder als kongenial umgesetzte Idee. Und wir finden uns wieder in den Wohnzimmern mit dem Fernseher, als Zuschauer bei der Produktion, als Quote für die Sendung.
Alles bleibt ausgesprochen „menschlich“, besonders das Ende der Geschichte. Der Hase wird sich einen „Anschiss“ beim Kalendermann abholen müssen.
Solche schweren Gänge kennt jeder von uns. Dieser fällt wohl schwer, aber das, worum es gehen wird, war in Ordnung – auch wenn es falsch war. Das macht es leichter.
Eine merkwürdige Botschaft? Eine schöne Botschaft, die in der Werbung einst „Just do it“ hieß.