Eugène Ionesco & Katharina Bußhoff:
Josette und ihr Papa.

Aus dem Französischen von Tobias Scheffel

Düsseldorf: Sauerländer bei Patmos 2005.

ISBN 3-7941-5057-0.
32 Seiten.
13,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Der Rumäne Ionesco veröffentlichte diese "Geschichte Nummer 4" zunächst in Frankreich. Es ist die einer dreiköpfigen Familie, bei der nicht klar ist, ob die Mutter, Ehefrau sich trennen wird von den beiden.

Gar nicht absurd

Nein, sie trennt sich letztlich nicht, die Frau von ihrem Mann und damit von ihrem Kind.
Die Illustratorin Bußhoff gibt der kleinen Josette eine Schildkröte zur Unterstützung. Die darf sie hochheben, mit neugierig sein, ihr hinterher watscheln.
Der Vater verbirgt sich hinter der Badezimmertür. Von dort her schickt er seine Tochter in die verschiedensten Räume des Hauses, wo sie ihn bestimmt finden kann.
Vielleicht. Sie findet ihn aber weder im Esszimmer, noch dort unter dem Tisch, aber auch im Wohnzimmer ist er nicht und auch nicht in der Küche. Papa ist im Badezimmer, wo er sich mehr oder weniger hinter Rasur-Aufgaben versteckte und seine Tochter immer weiter in die verschiedenen Räumen schickte, weil er selbst doch so unsicher ist: Wo ist seine Frau?
Gerade als er aufzugeben bereit ist, kommt seine Frau zurück. Das Abenteuer war wohl eher negativ für sie, sie entschied sich für ihre Familie, wobei das Kind deutlich den Vorrang hat.

Kinder bekommen mehr mit, als man allgemein meint, dass sie es tun. Hier ist es der Verlust der Mama, der sich aber als noch einmal verfrüht erweist. Gleichzeitig wird das Bild eines sehr schwachen Vaters gezeichnet, der mit sich machen lässt, sich eben noch verschließt, um nicht eingreifen zu müssen. Ein sehr armseliges Zeugnis des männlichen Wesens, das Ionesco hier zeichnet und das Bußhoff adäquat auf das Papier bringt.
Stark ist hier das Kind und später auch die Mama, der Papa lässt sich in die Nase fassen und sitzt hinten im Auto.
Allerdings stützen den Schwachen die Tochter und ihre Schildkröte, jedoch beide zurück schauend. Die Starke (die Mutter) lenkt das Auto mit dem Gesicht nach vorn, wo immer es hin gehen mag. 

In den Bildern ist sie noch stärker, die kleine Josette. Schon auf dem Titelbild zieht sie ihren Vater am Bademantelgürtel, während dieser seine Hände in den
Tasschen versteckt. Das Mädchen wird zwar als Suchende gemalt, aber immer auch als starke Person, der allerdings die Schildkröte hilft. Das kennt man eventuell von Momo. Auch hier ist das Mädchen die Starke, aber der Anteil der Schildkröte ist nicht zu unterschätzen. Das gilt auch für die folgenden Zeichnungen. Mal sitzt die Schildkröte in der Suppenschale, mal trägt sie auf ihrem Panzer eine solche – oder sie folgt einfach dem kleinen Mädchen, oder auch der Katharsis zwischen Mädchen und Mutter – das allerdings ausgerechnet auf dem Arm des Vaters.

Was mehr will man von Ionesco erwarten? Eine Seite mit „Warte auf mich, ich bin gleich da?“

Toll antizipiert und umgesetzt!