Helme Heine:
Die Schöpfung.

Weinheim: Beltz 2005.

ISBN 3-407-79346-4.
62 Seiten.
22,90  €.

Ab 04 Jahre.

 

 

Der erste Teil folgt der ersten Schöpfungsgeschichte aus dem 1. Buch Moses: Gott erschafft die Welt in sechs plus einen Tag, wobei er am sechsten 2 Menschen schafft (nichts von Rippe und so). Der zweite Teil setzt DICH in den Mittelpunkt der Schöpfung sowie deinen Kopf, dein Herz und deinen Bauch.

Die Schöpfung – und du

Helme Heine schreibt wie immer fast lakonisch. Kurze Sätze, Altbekanntes in eigenem Schreibstil. Auch seine Bilder sind nicht überraschend, sein Gott ist halt ein begabter Handwerker, Laie wahrscheinlich, aber begabt – und sympathisch mit seinem gelben Hut und seinem weißen dichten Bart. Ein Mann, ein Künstler, ein Gärtner, ein Maler, Bildhauer und Tierpfleger. Ein Planer, Tüfftler, einer, der sich auch mal ausruhen und sich ob seiner Leistung (still) freuen mag.
Von da an gehören die nächsten Bildseiten ausschließlich und textlos dem Paradies, aus dem sehr karg vertrieben wird. Wir lesen „Adam und Eva hatten viele Kinder und Kindeskinder.“ und sehen einen Baum mit umwickelter Schlange, einen Apfelgripsch und einen genau so großen Kinderwagen. Schlange wie Kinderwagen zeigen nach rechts. Da geht es hinaus aus dem Paradies.
Nach einem bildlich wie textlich geschickten Übergang („…eins davon bist du“ und viele Kinderwagen, Krippen, Wiegen) dreht es sich für 24 Seiten um DICH und deine drei Begleiter. Freud: Ich, Es, ÜberIch. Heine: Herz, Kopf, Bauch.
Ein tolles Bilderbuch mit entsprechend hochkarätigen Bildern (oft mit Aquarellen gemischt), wobei die im zweiten Teil qualitativ leider deutlich abfallen. Für Kinder ab ca. drei Jahren zu empfehlen.

 Nun aber zur Beigabe, die auch den recht hohen Preis rechtfertigt. In Wirklichkeit haben wir es deutlich mit zwei unterschiedlichen Interpretationen eines Textes zu tun. Heine selbst illustriert, karikiert, erklärt den Text mit seinen Bildern. Reinhard Seifried gelingt eine musikalische Interpretation, die nicht nur Klassik-Liebhabern Vergnügen bereitet. Aber dieser Teil ist deutlich anspruchvoller an das Alter, ja, man mag hier schon an eine Zugabe für die erwachsenen Vorleser denken.
Obwohl der Text im Buch der gleiche ist, den Helme Heine auf der CD zumeist zwischen den 29 Musikteilen vorliest, so wird durch die Musik der Adressatenkreis völlig verschoben. Welch genialer Text also, der beide bedient. Und welch tolle Interpretation per Bild und per Musik!
So etwas gelingt nicht oft.