Barbara Jean Hicks & Alexis Deacon:
Das Monster, das nicht schlafen wollte.

Aus dem Amerikanischen von Uwe-Michael Gutzschhahn.

Düsseldorf: Sauerländer bei Patmos 2005.

ISBN 3-7941-5056-2.
32 Seiten.
13,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Kleine Monster fürchten sich im Dunkeln genau so wie es kleine Menschenkinder tun. Der schlimmste aller Schrecken entsteht natürlich, wenn sich beide begegnen. Nur: Wer erschrickt sich mehr? Und was kommt danach? Ein wichtiges Buch zum Thema Angst-Bewältigung.

Wer fürchtet sich vor wem?

Auch bei Monsters gibt es Vater, Mutter, Kind, Stoffpuppe. Die Ohren sind mal gespitzt, mal schlaff, manchmal sehen sie aus wie Hörner. Und kleine Monster sind gewiss keine Angsthasen (wie Bruder Buster zu sagen pflegt), wenn sich fürchten, weil sich unter ihrem eigenen Bett ein JUNGE (rosa Haut, orangefarbenes Fell, himmelhellblaue Augen usw.) verbirgt. Allein wenn Opa („Papa Buh“) da ist, dann ist alles gut. Er versteht aber auch die Angst, erzählt auch nach dem Essen (es gibt Brot mit Bibberglibber-Wanzenglee und dazu heißen Wanzensaft) mal seine Begegnung mit einem Menschen und wie er sich anschließend davon errettete. Aber dann kommt doch alles ganz anders, jede Situation muss von jedem neu bewertet werden, es gibt keine Patent-Rezepte. Was es aber gibt ist eigener Mut und der Wille, aus der Situation das Beste zu machen. Das gelingt. Wie? Anschauen und lesen!

Alexis Deacon kann sich mit ihren Bildern nicht ganz entscheiden, ob sie ein Bilderbuch illustrieren will oder einen Comic zeichnen. Also wechselt sie immer mal wieder. Das tut dem Buch sogar ganz gut, da somit auch bildlich eine deutliche Chronologie angelegt wird und wir mit „Klomp-Klamp-Klomp…“ laute Schritte assoziieren können, die umso leiser werden, je kleiner dieser Textteil gedruckt ist. (So viel allerdings zum Thema „Vor-“ und nicht Selbstleser.)

Das Einheitliche an der Illustration sind die Figuren. Die Doppelseiten selbst sind immer überraschend anders, man kann sich auf kein Bilder- oder Textschema verlassen. Das gilt graphisch, größen- oder form-mäßig, selbst die Maltechnik ändert sich. Dabei entstehen Bilder, die auch Plakate sein könnten, die einen hineinziehen in das dreieckige Licht hinter den schwarzen Vorhang, oder jugendstil-haftig verspielt sind mit drei Szenen auf einem Steg, oder bedrängend, wenn grober schwarzer Strich auf stumpf-rotem Hintergrund eine Art Gefängnis beschwört, in dem das kleine Monster dem rothaarigen Jungen gegenüber hockt, wobei die Anspielung beim Monster (die Angst geht in die Hose, du weißt schon) aufgelöst wird durch das Weiterspinnen eines Fadens, der in einer Spinne endet.

Vielschichtig gelungener Versuch, mit der Angst umzugehen – und zugleich die Sur- als Realität der Angst anzuerkennen: Ja, es kann Monster geben. Aber wenn es sie gibt, wie geht es ihnen dann, wenn sie auf jemanden wie dich treffen? Was denken, fühlen, empfinden sie? Wie stark sind die Erwachsenen, wie ihre Kinder? Wie kann man mit ihnen sprechen, sich mitteilen?
 Daneben gibt das Buch einen wichtigen Beitrag für das Leben, nämlich sich in die Schuhe von anderen zu stellen, damit man seine eigene Position besser erleben, empfinden kann. Eins der Prinzipien, das (neben der Welt des Egozentrikers) unsere Welt erträglich macht.