Eric Battut:
Ei, Ei, Ei.

Aus dem Französischen von Danielle Heufemann.

Zürich: Bohem Press 2005.

ISBN 3-85581-406-6.
32 Seiten.
13,50  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Drei Eier sind im Nest. Aus dem weißen schlüpft ein weißes Vogelkind, aus dem schwarzen schlüpft das schwarze. Aber was ist mit dem gesprenkelten Ei? „Das wollen wir nicht!“, sagen die beiden – und werfen es aus dem Nest.

Ein Plädoyer zur Akzeptanz

Ein Lehrstück über Toleranz, besser: über Akzeptanz ist dieses Buch. Die Eltern sind: Der eine weiß und der andere schwarz. Da scheint es normal gemendelt, wenn ein Kind weiß, das andere schwarz und das dritte schwarz-weiß ist. Ist es aber gar nicht! Denn nach dem Rauswurf aus dem Nest kommt die Wahrheit noch viel schlimmer: Rotbraune Schwanzfedern kommen aus dem Ei heraus und retten die beiden Eiwerfer, denn alle drei sind in das Wasser gefallen. Und noch mehr, die rotbraunen Flugfedern können nicht nur das Ei transportieren, sondern auch die beiden Frechlinge – zurück ins Nest. Und dort warten auch schon die Eltern und freuen sich über das braune Kind genau so wie über die beiden anderen. Und dies nimmt es, wie es ist und lehrt die Geschwister das Fliegen. Morgen.

Battut versteckt die Ankunft des rotbraunen Vogelkinds bereits in seinem Hintergrund. Dort hat er nämlich zunächst ein brauniges Rot auf das Papier gebracht und dann so mit einem Blau übermalt, dass man den Untergrund noch gut erkennen kann. Das Nest erhält ebenfalls diese Farbe, leuchtet sogar ein wenig.
Die beiden vorwitzigen Junggeborenen zeichnet er ein wenig plump, so wie es frisch geschlüpfte Vogelkinder eben sind. Sehr witzig ist, dass sich das andere Kind erst Stück um Stück zeigt, zunächst nur die Schwanzfedern, die das Ei schwimmend vorantreibt, dann braune Füße dazu und später ebensolche kurzen Flügel. Ganz spät erst zeigt sich der ganze kleine rotbraune Vogel.

Mit welcher Selbstverständlichkeit Battut diese Geschichte erzählt, ist schon fast frech. Erst spät kommt einen in den Sinn, was da denn alles abgelaufen ist, vorher. Zwei böse radikale Wesen sind doch diese beiden frisch Geschlüpften, dass sie sogar ein Ungeborenes töten wollen, weil die Schale anders ausschaut als es ihre tat. Dabei wäre doch bei den Eltern nahe liegend, dass es auch ein schwarz-weißes Kind geben wird. Und Battut setzt noch einen drauf, denn das Kind ist völlig anders, nicht nur farblich, sondern auch in der schnellen Entwicklung.
Und um das Fass voll zu machen, hilft dies Wesen den beiden Bösen ohne irgend welche Fragen oder gar Forderungen zu stellen, ja, ohne überhaupt so richtig da zu sein. Ein Ei mit Flügeln, Beinen und Schwanzfedern ist schließlich noch kein Vogel.

Eric Battut ist ein sehr philosophisch-politisch-ethisches Bilderbuch gelungen, obwohl er doch nur wenige Farben nutzte und die Vögel eher einfach gezeichnet werden in ihren Umrissen und den wenigen schwarzen (weißen) Strichen, um Auge, Schnabel und Flügel zu kennzeichnen.

Hut ab, Herr Battut!