Marjane Satrapi:
Persepolis. Eine Kindheit im Iran

Aus dem Französischen von xxx.
Wien: Ueberreuter 2005.

ISBN 3-8000-5128-1.
160 Seiten.
9,95  €.

Ab 12 Jahre.

 

 

Die Autobiographie eines iranischen Mädchens in vielen schwarz-weißen Comic-Bilder. Es beginnt 1980, da ist Marjane 10 Jahre alt, und endet 1984 mit ihrer Übersiedlung nach Österreich. Sehr spannend, sehr beeindruckend, ungewöhnlich.

Persisches Mädchen

Viele Flächen der Bilder sind schwarz ausgemalt: Hosen, Tschador, Haare, vielfach der Hintergrund. Das gibt ihnen eine Art von Sauberkeit aber auch Düsternis, vor der die hellen Figuren agieren können. Die dunklen dagegen brauchen das Hintergrundlicht oder wenigstens einen weißen Rahmen.
1980 ist die Zeit der „Revolution, die später die islamische genannt“ wird. Der Schah ist gestürzt, die Gefangenen befreit. Das Leben beginnt sich zu ändern: Das Tragen des Kopftuchs wird Pflicht, Jungen werden von Mädchen getrennt, Marjanes französische Schule wird als Zeichen der Dekadenz aufgelöst, Angst zieht ein bei denen, die ihre Kinder auf französische Schulen schicken konnten. Politische Gefangene unter dem Schah werden unter der neuen Herrschaft erschossen, aus 3.000 werden 300.000 Gefangene. Das Leben verändert sich, die Demonstranten gegen den Schah müssen sich nun vorsehen, was sie außerhalb der eigenen vier Wände sagen oder machen.
Marjane wächst eindeutig privilegiert auf, entstammt einer der höchsten Familien des alten Persien. Wir erfahren über sie, welche Rolle die erdölhungrigen Europäer spielten, die Araber, die Iraker, erkennen durch sie, wie sich das Leben abspielte, veränderte. Wenn sie keine persönlichen Berührungspunkte hatte, werden Entwicklungen auch nicht weiter dargeboten, alles ist ihr oder ihren Verwandten direkt oder indirekt passiert.

Sie erzählt in sieben- bis achtseitigen Kapiteln (Die Wasserzelle, Der Brief, Die Schafe, Der Wein usw.) und je Seite fünf bis neun Bildern vom glücklich und beschützt sein, aber auch vom eigenen Mut, sich bei der „Dekadenz“ auf dem Schwarzmarkt zu bedienen (Jeansjacke, Kim-Wilde-Album), aber auch: sich nicht alles gefallen zu lassen, gegen die Schulleiterin aufzubegehren - und sei es um den Verlust des Schulbesuchs.

 

Ein subjektives Buch, das nicht nur von den Mächtigen erzählt, sondern von den Menschen, wie sie sie sich fügen, mitmachen, versuchen, sich nicht allzu sehr zu verbiegen. Und von der Liebe der Eltern zu ihrem Kind, ihrem Mut und ihre Entscheidung, ihr Kind in die Obhut der Tante nach Österreich und später wohl Frankreich zu geben.

 

Die Autorin selbst schreibt ein zum Teil die Geschichte Persiens erleuchtendes zweiseitiges Vorwort, Christian Gasser ein dreiseitiges Nachwort, das nicht nur zur Autorin und Illustratorin und ihrem Buch Stellung bezieht, sondern auch das Genre und dessen gegenwärtige Entwicklung beschreibt.