Sabine Friedrichson & Hans Christian Andersen:
Das Leben ist das schönste Märchen, denn darin kommen wir selber vor.

Weinheim: Beltz 2005.

ISBN 3-407-79343-x.
48 Seiten.
19,90  €.

Für alle, die sich für Märchen interessieren.

 

 

Ein Bilderbuch, in dem das Leben des Märchenerzählers selbst erzählt wird. Wunderschöne Bilder und ein kleiner Einblick in ein Leben machen das Buch nicht nur für das Andersen-Jahr 2005 lesenswert.

Ein Leben voller Neugier

Wir erfahren viel über Andersens Leben. Chronologisch folgt auf seine Kindheit in großer Armut aber mit viel Liebe sein Auszug „in die weite Welt“. Die beginnt zwar erst in Kopenhagen und endet dort in der Nähe für fünf Jahre, in der er seine Schulbildung über einen Förderer nachholt. Aber dann, dann öffnet sich die weite Welt. Andersen bereist ganz Europa, eine Landkarte mit seinem Weg fordert unseren Respekt.
Sabine Friedrichson lässt (mit Unterstützung von Hans-Joachim Gelberg) Anderse selbst sein Leben (in Ausügen) erzählen. Sie nennt dazu 12 Quellen. Außerdem wird sie sich längere Zeit im Andersen-Haus in Odense bzw. in der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen aufgehalten haben, da ihre realistischen Zeichnungen, Skizzen, Neukolorierungen dort ihre Vorbilder fanden.

Die für ein Bilderbuch sehr ausgiebigen Texte sind je stark untergliedert, geben oft Erklärungen zu den kleinen wie den ganzseitigen Illustrationen.
Wir erfahren, dass Andersen so viel mehr als Märchenerzähler war (obwohl seine heutige Berühmtheit genau darauf basiert): Briefeschreiber, Reiseberichter, Skizzenmaler („Fotos“ in der Vor-Foto-Zeit) – und besonders als Scherenschnitt-Hersteller. Wenn man große und ungelenke Schere sieht, hält man die Ergebnisse kaum für glaubwürdig.

Besonders die ganzseitigen Bilder gestaltet Friedrichson in fast extremen Ausschnitten, damit wir auch die Feinheiten erkennen: den Kaffeesatz und die Spielkarten, die räumliche Enge des Heimathauses, das Gänseblümchen in der Hand auf dem Rücken in Versailles, das Bildnis der Jenny Lind.

Obwohl wir schon 48 Seiten vor uns haben und viele Aspekte angesprochen werden, so bleiben dennoch viele Fragen übrig: Was war das für eine Liebe mit Jenny Lind? Woher kam das Geld für die vielen Reisen? Warum wurde er so berühmt, dass er das beliebteste Objekt der Daguerre-Typographien werden konnte?

Ein Leben ist eben nicht in 48 Seiten abschließend abhandelbar. Und seine Märchen sprechen für ihn – obwohl die Inhalte heutzutage für Kinder nicht immer leicht vermittelbar sind.