Marie-Ange Guillaume (Text) & François Roca (Bilder):
Susanne.

Aus dem Französischen von Edmund Jacoby

Hildesheim: Gerstenberg 2005.

ISBN 3-8067-5077-7.
32 Seiten.
15,90  €.

Ab 04 Jahre.

 

 

Der Flug von Susanne dauert genau eine Nacht. So lange träumt sie offensichtlich, um mit ihrem kleinen Holzflugzeug die Welt zu erkunden, um ihrem langweiligen Hund zu entkommen. Aber dann stellt sie fest, dass irgendetwas sie nach Hause zurücktreibt.

Traumflug

François Roca zeichnet keine lebendige Welt. Seine Susanne ist eine Puppe mit viel zu großem Kopf und ganz großen Augen, Helix ist ein Hund ebenso aus Holz wie das Flugzeug, mit dem Susanne (im Traum) ihre Reise in die Welt unternimmt. Zunächst bestimmen Rot-Grün-Kontraste die Bilder, die dann auf Größenvergleiche abhebt: So ein kleines Flugzeug mit einer knapp genau so großen Person in solch einem weiten Himmel über dem weiten Meer!
Roca trifft das griechische Blau des Meeres und die geweißten Häuser, die roten Tulpenfelder im Grün (die gar keine sind), macht Pinguine zu Robotern und Krokodile zu Baumstämmen mit Zähnen. Niemals dreht sich der Propeller des Flugzeugs oder treffen Insekten auf die Flugzeugführerbrille von Susanne. Der Flug findet deutlich statt in Susannes Traum und in den Bildern.

Der Text beansprucht jeweils eine Seite. Er ist sehr groß geschrieben, grau gedruckt und je Zeile mit einem zentrierten Flugzeug mit Susanne unterbrochen. Diese Vignetten zeigen keine logische Folge, sie unterbrechen halt, lassen dem Text noch mehr Platz und dem Traum sowieso.
Beide entsprechen sich jeweils, der Text und die Bilder, bis auf das drittletzte Paar. Als wollten sie noch mehr Spannung vor der Heimkehr erzeugen, erzählen Text und Bild je eine unterschiedliche Geschichte, obwohl die Figuren zum großen Teil einander entsprechen. Ein toller Spannungsbogen, der gleich anschließend erst die Ankündigung und dann seine Erfüllung findet.

 

Eine Geschichte vom Verlassen, weil das Alltägliche einfach langweilig wird – und vom Zurückkommen, weil die Welt das Alltägliche nicht liefert. Da kommt es sehr gut, dass Roca den Amerikaner Edward Hopper in seinen Häusern zitiert: Das sieht zwar sehr sauber und langweilig aus, aber das ist unsere kleine Welt. Dort kann man sich sehr wohl fühlen – egal was die Welt draußen zu meckern hat. Und man kann auch dazu stehen.