Barbara Kindermann nach W. Shakespeare (Text) & Christa Unzner (Bilder):
Romeo und Julia.

Berlin: Kindermann 2005.

ISBN 3-934029-12-4.
36 Seiten.
15,50  €.

Ab 06 Jahre.

 

 

Ganz auffällige Grafiken im „unfertigen“ Stil, mit Klecksen, kalligraphisierten Texten, vielen dünnen Linien, orangefarbenem Hintergrund, unfertig, gerundete Ecken, und immer darüber hinaus gezeichnet. Eine Liebe, die sich nicht in einen Rahmen pressen lässt wie die gesamte Geschichte. Jeder weiß, wie sie endet – und hofft dennoch.

R stirbt nach J – oder umgekehrt?

„Es war die Nachtigal und nicht die Lerche“ ist eins der Originale, die Barbara Kindermann als Zitate in ihre Erzählung einfließen lässt. Da ist das Hin und Her der Ränkeschmiede und geheimen Aktionen schon im vollen Gang. Romeo muss aus Verona nach Mantua fliehen, verbrachte aber noch eine Nacht bei seiner ihm heimlich angetrauten Julia. Die soll einen Verwandten des Prinzen von Verona heiraten, bringt sich aber mit Hilfe von Bruder Lorenzo in einen todesähnlichen Schlaf, um danach mit Romeo fliehen zu können. Dieser aber weiß nichts von dieser List, sieht seine Julia tot vor sich und trinkt den Giftbecher, um ihr nah zu sein. – Nur Minuten danach erwacht Julia, sieht ihrerseits den Geliebten tot vor sich und bringt sich mit seinem Messer um.
Noch kurz vor dem Ende der Geschichte hofft man, dass sie diesmal anders ausgehen möge.

Wieder ist es Barbara Kindermann gelungen, Weltliteratur stimmig nachzuerzählen, ohne dabei den Anspruch eines Shakespeares zu erheben, aber auch ohne ihn zu verleugnen. Er ist sowohl als Vorlesetext zu nutzen, als auch zur inhaltlichen Information.

Die Bilder beanspruchen mehr als 50 % des Buches. Christa Unzner zeichnet, skizziert und malt einige Stellen farblich aus (Romeo sieht seine Julia in einer Menschenmenge zum ersten Mal). Immer ist Text im Bild: Mit seinen langen Linien und Schnörkeln erinnert er an „alte Schriften“. Dabei greift sie inhaltlich einige gedruckte Textteile auf.

Ein Buch, das man sich gern auch auf den Notenständer stellt, jeden Tag eine Seite umblättert und sich an den Bildern erfreut. Das darf man ruhig, denn so traurig die Geschichte für die beiden Liebenden endet, so bewirkte sie immerhin, dass die Familien Montague und Capulet ihren Zwist beendeten. So war ihr Tod zwar tragisch, aber wenigstens nicht völlig sinnlos.