Joachim Ringelnatz (Text) & Diverse (Bilder):
Geheimes Kinder-Spiel-Buch.

Berlin: Aufbau 2005.

ISBN 3-351-04061-X.
40 Seiten.
15,00  €.

Ab 05 Jahre.

 

 

Fünf namhafte IllustratorInnen geben sich die Ehre, 25 grotesk-komischen Gedichten von Joachim Ringelnatz je ein Bild zu geben: Michael Sowa, Isabel Pin, Norman Junge, Katja Wehner und Aljoscha Blau. Sie alle treffen den Nerv dieser sehr merkwürdigen „Kinder-Spiel-Anweisungen“.

Für solche Spiele bekam man früher Prügel

Was sich dieser Mensch vor fast 100 Jahren einfallen ließ, geht ja kaum auf eine Kuhhaut. Ein Spiel heißt „Sich interessant machen“ und fordert u.a. dazu auf, Käse zwischen Buchrücken und Lederdeckel zu schmieren. Ein anderes löst Konflikte durch gegenseitiges Bespucken unter schiedsrichterlicher Aufsicht. Ein drittes heißt „Himmelsklöße“ und ist noch ekliger als das Bespucken, denn man tränkt Papier im Nachttopf, fügt evtl. noch einige Popel hinzu, wirft sie sodann an die Zimmerdecke. Alsdann stellt sich ein jeder Mitspieler mit geöffnetem Mund unter die „Klöße“. Der erste Treffer hat dann einen „bösen Mund“ und wird von den anderen gehänselt. Es folgen noch weitere.
Daneben gibt es einige Kurz-Gedichte, die in der Skurrilität den anderen kaum nachstehen. Sie sind zum Teil sehr kurz („Ruhe ist viel wert“, / sagte das Nilpferd / und setzte sich auf was Weiches. / Der Elefant tat ein Gleiches.) oder beanspruchen eine ganze Seite. Dabei sind die Reime auch mal kurz vor Satzende (...kein Kind / mehr! Die Lederbände im Bücherspind / haben, ...) oder vertauschen schon mal einen Vokal (Bebatte statt Babette oder lali reimt sich nur sehr knapp auf lila).

Jeder der Illustratoren darf fünf, Norman Junge 7 Bilder beisteuern. Sie wechseln sich je ab, dürfen manchmal eine ganze Seite gestalten, in den meisten Fällen aber nur Vignetten zu den Geschichten zeichnen. Jeder hat einen sehr eigenen Stil: Junge ist wie immer sehr hintergründig, Sowa ausgesprochen witzig, Pin setzt auf Minimalismus, Wehner auf schiefe Perspektiven und Blau einerseits auf Collage, andererseits auf Vereinzelung.
Keiner nimmt etwas vom anderen, weder Zeichner untereinander noch im Vergleich zum Dichter. Alle geben sich „mehr“.

Ein herrliches Buch, in dem man auch beim zehnten Lesen / Schauen immer noch etwas Neues findet. Und das Titelbild von Michael Sowa ist absolut, skurril, toll, merkwürdig, klasse, komisch, hinterhältig. Und es zitiert auch noch. WUNDERBAR!