Olivier Tallec:
Ein Hoch auf die Minihelden

Aus dem Französischen von Ina Kronenberger
Hildesheim: Gerstenberg 2018

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-5629-1
56 S * 9,95 € * ab 03 J

 

 

 

Helden verhindern Chaos und lösen Probleme – oft körperlich. Was aber machen Minihelden? Sie machen uns klar, wodurch wir uns selbst unterscheiden von den Personen, die wir vielleicht sein möchten – oder: die wir vorgeben zu sein.

Gern geschehen

Olivier Tallec hat diesen hintergründigen Humor, den man sich nach den ersten Bildern und Texten schnell erschließen muss. Wenn das nicht gelingt, dann muss man das Buch leider zur Seite legen und später einen zweiten Anlauf wagen. Für alle anderen – und das sind ganz sicher die meisten – gilt, dass sie später nach „mehr“ rufen.
Die Helden in seinen Büchern sind gar keine, aber sie bieten so viel Identifikation, dass sich die eigene Befindlichkeit ziemlich sofort in eine überlegene begibt, die sich selbst der Lächerlichkeit preisgeben kann. Damit hat man den starken Status erreicht, dass man nicht andere bespöttelt, sondern bestenfalls sich selbst, dabei aber eine Rolle spielt, die zurückreicht.
Hier führt uns der Autor und Illustrator einen lächerlichen Helden vor, der nicht nur auf den Bildern ziemlich flach ist: »Minihelden haben so viel zu tun, dass sie sich niemals langweilen ... ...(außer manchmal, wenn es regnet). Und wir sehen die kleine Verwandlung der jungen Person auf dem viel zu großen Sofa in eine Art Superman mit rotem Rückenumhang und blauer Kleidung anstatt der Alltagskleidung auf der linken Seite.
Der Text ist möglichst kurz gehalten, die Bilder sprechen zumeist für sich. Dabei bedient sich Tallec bei den gängigen Superhelden, erfindet aber auch neue hinzu. Und er macht sie – in einer Art Gegenschau zum Titel – zu sehr einfachen Personen, denen von anderen besondere Kräfte zugesprochen werden, die die anderen zwar erwarten, sich aber andererseits auch nicht in ihrer Wirklichkeit erwarten.

Eine tolle Mehrschichtigkeit können wir erleben, bei denen die Bilder (selbstverständlich) einen großen Anteil haben. Die Haare der Kinder erinnern an die Karikaturen der Beatles als „Pilzköpfe“, die viel zu großen Köpfe im Vergleich zu den Körpern ist Babyschema, die Viertel- oder Halbgesichtsmasken lassen genug Fantasie, um den oben genannten Effekt zu erzielen.
Ein wunderbarer Schluss ist Olivier Tallec auch noch eingefallen, der uns alle selbst noch einmal hineinzieht in seine Geschichte. Also: Noch einmal. Und: Noch einmal.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en