Claire Teyras & Serena Originario:
Papa und der Papagei

Bargteheide: Minedition 2018

www.minedition.de

ISBN 978-3-86566-325-2
32 S * 13,95 € * ab 03 J

 

 

Lena fühlt sich vernachlässigt, weil ihre Eltern überhaupt keine Zeit mit ihr verbringen, ja, nur sehr selten überhaupt in der Geschichte auftreten. Dabei steht ihr Vater doch sogar im Titel des Buches!

Ein richtiger Trost

Serena Originario benutzt Aquarellfarben sowie für die Feinheiten dünne farbige Stifte. Besonders auffällig sind die vielen Schatten, die sich auf den Flächen abbilden und damit das Draußen über das Sonnenlicht in das Innere holen. Die Bilder leben von der Mischung aus Perspektive und flächiger Darstellung, die Kommode mit den Büchern vor Lenas Fenster hat gar keine Tiefe und zieht uns damit hinaus in die Luft zu dem roten Papagei. Einige seiner Federn sind blau oder gelb, sein Flügelschlag bringt große Bewegung und Schwung in die Geschichte, die sonst eher von der Schüchternheit von Lena ruhig und wenig aufregend ist.
Lena ist Einzelkind, aber sie ist zurzeit auch fast Waise, denn ihr Vater muss viel arbeiten, sodass sie ihn kaum einmal zu Gesicht bekommt. Ihre Mutter pflegt irgendwo in der Fremde den Großvater, die Babysitterin bekommen wir nicht zu sehen. Einmal noch treten andere Kinder auf. Wir sehen sie durch das Fenster auf dem Schulhof. Lena selbst bleibt lieber allein im Klassenraum mit den Einzelbänken. Sie sitzt an ihrem Platz und malt, ihr Teddy sitzt daneben und schaut zu.
Als der Papagei vor ihrem großen Dachfenster auftaucht, kommt sie ein bisschen aus ihrer Einsamkeit heraus. Und als der Vater ihr gestattet, dass sie den zugeflogenen Vogel behalten darf, gewinnt sie einen neuen Sinn. Sie bringt dem gelehrigen Vogel mit viel Geduld einige Sätze bei, die sie immer und immer wiederholt, bis er sie auch aussprechen kann. Als der Papagei aber auch andere Sätze sprechen kann, weiß Lena am Inhalt, wer ihm diese beigebracht hat.

Lena bietet sich als gute Identifikationsfigur für alle schüchternen Kinder an oder solche, die das Gefühl haben, dass ihre Eltern sich nicht (genügend) um sie kümmern. Da sie selbst wohl gerade erst in die Schule kam, ist das Buch für Kinder von 3-4 bis 8 Jahren geeignet. Den Papagei (das Wortspiel in Bezug auf den Vater klärt sich erste gegen Ende) kann man getrost durch ein anderes Wesen ersetzen.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en