Casta, Stefan & Fagerberg, Maj:
Auf der Hummelwiese
. Das große Herbarium

Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch
Frankfurt: Fischer Sauerländer 2018

ISBN 978-3-7373-5528-5
86 S * 22,00 € * ab 08 J

 

 

Der Aufforderung, sich dem Leben der Pflanzenwelt zu nähern, sollten weder Schenker noch Beschenkte leichtfertig ablehnen. Es fehlt hier lediglich eine Anweisung, wie man (leicht) eine Presse herstellt. Aber das ist nur Handwerk.

Herbarium

Es war Carl von Linné, der mit nur 28 Jahren 1735 eine Systematisierung zur eindeutigen Einordnung von Pflanzen erschuf und die immer noch gilt. Alle Gewächse dieser Welt werden in Arten – Gattungen – Familien – Ordnungen und Klassen eingeteilt, die ihre Kriterien in den Staubblättern und Pflanzenstempel finden (Eselsbrücke: „Jede Art, sich zu begatten, erzeugt Familie. Die Ordnung ist klasse“.) Linné sammelte und presste dereinst, und wir soll(t)en es ihm gleichtun – nicht, um etwas zu besitzen, sondern um Achtung und Ehrfurcht vor der Wunderbarkeit der Natur zu lernen oder zu vertiefen. Seine Namensgebung können wir auch übernehmen, denn er versah seine Pflanzen mit zwei lateinischen oder latinisierten Wörtern (Familie, Art). Das Moosglöckchen heißt zum Beispiel »Linnaea borealis« und erinnert nicht zufällig an den »König der Blumen« aus Småland in Schweden.

Das großformatige Buch ist nicht nur äußerlich ausgesprochen liebevoll gestaltet. Der ausladende Buchrücken schafft Platz für eine Spiralbindung, die wiederum nach einer textlichen Darstellung einer Pflanze eine Klarsichtfolie zeigt, die die gepresste und eingeklebte Pflanze (Tipps dazu am Schluss des Buchs) abdeckt. Selbstverständlich werden nicht nur der gemeine, sondern auch der lateinische Name eingetragen sowie Datum, Fundort und eigene Beobachtungen.

18 Pflanzen werden so vorgestellt, umrahmt von Vor- und Nachwort, geteilt in Frühling und Sommer. Drei Seiten hat jede Pflanze, zweispaltig gesetzter Text und mit Illustrationen versehen, die einerseits an Akribie und Genauigkeit keine Wünsche offen lassen, andererseits aber auch Raum geben für Hummeln mit menschlichem Antlitz. Dazu kommen kleine Elfen und kleine Anekdoten, wie der von dem Wesen des Weidenröschens, das als »Augen der Erde« bezeichnet wird und als Lieblingsgabe der Gleisarbeiter galt. Dass das Buch auch noch Bindefäden hat, damit gewiss keine Pflanze herausfällt, ist eine schöne weitere Idee.

Wen es nicht selbst beim Verschenken des Buches oder auch beim Erhalt desselben trifft, den wird die Pflanzenwelt wohl für den Rest seines Lebens auch nicht weiter berühren. Aber ziemlich sicher wird er den Moment bedauern, an dem dies mithilfe des Buches leicht möglich gewesen wäre.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en