Jörg Mühle:
Zwei für mich, einer für dich

Frankfurt: Moritz 2018

www.moritzverlag.de

ISBN 978-3-89565-357-5
28 S * 12,95 € * ab 03 J

 

 

 

Der Bär findet drei Pilze, sein Freund, das Wiesel, bereitet die leckere Mahlzeit zu. Allerdings kommen die beiden nicht auf die Idee, den dritten Pilz gerecht zu teilen. Sie streiten.

Auch Freunde streiten sich manchmal

 

Es gibt keinen Horizont, die einzelnen Zeichnungen sind Inseln auf weißem Papier. Die Wohnung von Bär und Wiesel ist draußen. An einem der vier Bäume in der Nähe ist der alte Küchenschrank mit dem Geschirr, am anderen hängen die Pfannen und das Sieb, stehen der Herd mit Backofen und das kleine Bord mit dem Schneidebrett, hängt ein Kistenregal mit Quirl, Wender, Spaghettilöffel, Kelle. Der Tisch ist mit Wachstuch gedeckt, ein roter Kinderstuhl für das Wiesel, ein halber Baumstamm (längs getrennt) für den Bären.
Dieser ist ein echter Braunbär mit riesiger Nase, die in einer dunkelbraunen runden Nasenspitze endet. Die Zähne, die mehrmals aus seinem Mund herausragen, sind ebenso rund wie die Steinpilze. Die Gabeln der beiden, die sich an den kurzen Seiten des Tisches gegenüber sitzen, könnten auch Dreizacks des Meeresgottes sein. Es gibt weder Teller noch etwas zu trinken, dafür wird gleich mit Argumenten und Drohungen gestritten werden. Wer soll den dritten Pilz gerechterweise haben? Der eine, weil er groß ist? Der andere, weil er noch groß werden will?
Während des Streites bemerken sie und wir gar nicht, dass auf dem kleinen (Nacht-) Schränkchen irgendetwas steht, das mit einem Tuch bedeckt ist und sich am Ende als sehr witziger Einfall von Ulf Mühle erweist.

Es gehört schon eine gewisse Art von Mut dazu, die Bilder wie auch den Text zu reduzieren und zugleich bei beiden auch Anspruch und Verstecktes unterzubringen. Dem kurzen ersten Satz (»Auf dem Heimweg fand der Bär drei Pilze.«) folgt auf der nächsten Doppelseite ein Satz mit fünf Verben und diversen Adjektiven / Adverbien. Hier sehen wir auch die bereits oben geschilderte Küche, die trotz der Isolierungen viele Feinheiten darbietet.

Eine lehrreiche Geschichte erzählt Ulf Mühle, bei der auch ein „lachender Dritter“ mitspielen darf und eine Wiederholung. Haben wir etwas gelernt? Oder wiederholt sich die Geschichte, wie sie es oftmals (leider) auch bei den Erwachsenen macht.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en