Linda Wolfsgruber & Anna Rottensteiner:
Eissterne im Sommer

Mannheim: Kunstanst!fter 2018

www.kunstanstifter.de

ISBN 978-3-942795-57-9
32 S * 22,00 €

 

 

Auf der Almhütte gibt es mitten im Sommer einen Wintereinbruch. Dennoch muss Mutter die Medikamente für Franzi von der Seilbahn abholen. Für Klara, die andere Tochter, eine Zeit der Angst.

Spröde

Ein Bilderbuch – ohne Frage, aber kein Buch für Kinder. Sowohl der Text als auch die Illustrationen erfordern nicht nur die Bereitschaft, sich auf die Landschaft und ihre Menschen einzulassen, sondern auch auf eine Zeit, die deutlich vor dem Heute liegt.
Der Text wirft uns hinein in eine Almhütte, eingeschossig, wenige und kleine Fenster aus einfachem Glas, die die Bildung von Eissternen ermöglichen. Eissterne? Fenster sind heute doppel- oder sogar dreifach-glasig und lassen kaum noch einen Ton ins Innere des Hauses. Eissterne am Glas haben dort keine Chance.
Hier aber wohl, denn wir befinden uns in einem Haus in den Bergen wohl um die Schneegrenze. Dort können auch außerhalb des Winters die Jahreszeiten durcheinander wirbeln und Schnee und Eis die Landschaft bestimmen, Eissterne an den Fenstern blühen. Klara und Franzi und ihre Mutter sind in der Hütte, werden vom Wetter überrascht. Mutter findet in der Truhe ein abgetragenes Paar Bergschuhe, das sie zur Seilbahnstation bringen soll. Warum, wird nicht direkt deutlich, aber wir sehen, dass es Franzi im Bett nicht gut geht. Fieber. Medizin wird benötigt.

Dem fast lakonischen Text werden entsprechende Bilder beiseite gestellt. Wenn wir draußen sind, wird die Stimmung durch dunkle Grüntöne bestimmt. Sind wir im Hausinneren, so herrschen Brauntöne vor. Außen sind es ausschließlich Doppelseiten, innen teilen sich Text und Bild den Platz.
Karg sind die Bilder mit harten Linien. Sogar die Eissterne sind mit feinem Stift gekritzelt. Wenn es vermeidbar ist, sehen wir auch keine Gesichter, die Beine der Personen sind nicht wohlgeformt, eher plump. Die Bilder der Trolle erinnern an Kritzeleien, wie wir sie selbst wohl auch schon machten.
Bild und Text passen sehr gut zueinander und schaffen dieses Gefühl von Enge und Einfachheit auf der halben Höhe der Berge.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en