Subhash Vyam:
Wasser

Text nach einer Erzählung der Autorin von Gita Wolf
aus dem Englischen von Elena Rittinghausen
Tara Books: Indien 2017

www.tarabooks.com/uk.de

ISBN 978-93-83145-93-5
40 S * 15,00 € * ab 04 J

 

 

 

Treffender kann man es nicht sagen: »Wir brauchen die Natur, [...] aber sie braucht uns nicht.« Das ist bei uns nicht anders als in Indien. Sehr ungewöhnliche Illustrationen zeigen, wie weit wir uns von der Natur entfernt haben.

Wasser oder Die Gier der Stadt

Subhash Vyam erzählt eine einfache Geschichte über das Leben, das unmittelbar mit der Verfügung von Wasser verknüpft ist. Wir befinden uns in Indien in einem kleinen Dorf. Das Leben ist hart, aber kaum jemand muss hungern. Man lebt mit der Umwelt, Strom gibt es nicht, Geld auch nicht. War die Ernte gut, gab es auch genug zu essen. Aber das Leben blieb nicht so, weil sich die Besitzverhältnisse änderten und weil sich eine Kluft bildete zwischen Stadt und Land, wobei sich in der Stadt eher ein tiefer Graben zwischen Reich und Arm bildete.
Reich gibt es auch auf dem Land, im Dorf von Subhash Vyam. Zunächst verbessert sich die Beschaffung von Wasser für alle, aber die Gier von einigen schafft Ungleichheit und führt im Ganzen weg vom Leben mit und in der Natur. Staudämme, regulierte Flussläufe, Brunnenbau, Flucht in die Stadt.
Am Ende aber bleibt nicht nur Skepsis, sondern auch Furcht, dass man selbst nicht genug getan hat, um gemeinsam mit den anderen eine solche Entwicklung zu verhindern. Wasser gerät in falsche Hände, der Besitz führt zu Macht. Ein Märchen begleitet den Abschluss der Geschichte ausführlich und wird am Ende interpretiert.

Die Erzählung ist sehr beeindruckend, aber viel bemerkenswerter und ungewöhnlicher noch sind die Bilder, die nicht nur je eine ganze Seite beanspruchen, sondern sich auch auf den Textseiten (zentriert mit kurzen Zeilen – sehr angenehm zu lesen) mit Einzelheiten einfinden. Vor einem monochromen Hintergrund werden durch Linien Flächen geschaffen, die selbst mit vielen engen Schraffuren unterschiedlicher Art markiert sind: fast parallele Linien, gekreuzt, farbig unterlegt, große (fast riesige) Augen, gewellte Linien, umrahmt, gesteint, gefettet, mit Tieren und Häusern bestückt – und alle für unsere Augen recht merkwürdig. die sich auf den Text beziehen und darüber hinaus noch viele andere Geschichten erzählen von Tieren und Menschen und ihrer Umgebung.

Damit wird die Botschaft getragen, dass man den Zorn der Natur fürchten muss. Sozial gefragt: Wer ist verantwortlich für die gierigen Veränderungen? Wer profitiert davon? Wer bezahlt die Rechnung? Das klingt nach ganz alten Fragen? Das sind ganz alte Fragen, für die wir immer noch keine Antworten gefunden haben. Ganz aktuelle Zahlen zeigen, welch kleiner Anteil der Menschen einen so wahnsinnig großen Anteil an Besitz hat. Das Thema ist also SEHR aktuell. Alles festgemacht an einer einfachen Geschichte aus Indien und einigen wunderschönen Bildern.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en