Florence Guiraud:
Wie siehst du denn aus?
Kurioses aus der Tierwelt

Aus dem Französischen von Susanne Schmidt-Wussow
München: Knesebeck 2018

www.knesebeck-verlag.de

ISBN 978-3-95728-172-2
96 S * 22,00 € * ab 06 J

 

 

Was wir merkwürdig oder gar kurios finden, ist anderswo Alltag. Unser Wissen von Flora und Fauna ist noch immer sehr begrenzt, erstens individuell und zweitens, weil es noch ganz viele weiße Flecken auf der Erde gibt, weit mehr als erforschtes Gebiet. Wo?

Auf dem Land und in der Tiefsee

 

Das Sachbilderbuch steht in der Tradition der wissenschaftlichen Werke des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Illustratorin, die auch den begleitenden Text schrieb, nennt ihr Buch ein »Kabinett der Naturpoesie«. Ihr Ordnungskriterium ist allerdings nicht wissenschaftlicher Natur, sondern sie sucht das Ungewöhnliche, Kapriziöse, Wunderschöne wie Hässliche, und sie findet unterschiedliche graphische wie textliche Ausdrucksformen.

Sieben Kapitel schaffen einen Kosmos von Vögeln, Insekten, Faltern und Meeresbewohner. Alle beginnen mit ganz aufwändigen ganzseitigen Bildern mit tiefschwarzem Hintergrund, der offensichtlich selbsterstellt wurde und die Wesen des Kapitels fast karikaturhaft, dennoch aber liebevoll und detailbestimmt darstellt. Ein wunderbares Ergebnis einer sehr ausdauernden Arbeit! Selbst die Texte sind unter Grafikgesichtspunkten gesetzt und in Tabellenform mit verschobenen Zellen gerahmt.

Jedes Kapitel wird mit den Kuriositäten beschlossen, die schon im Untertitel angekündigt werden: »17 Bartgeier/ Lieblingsspeise: Knochenmark. Um die größten Knochen zu knacken, lässt er sie im Flug fallen – wenn er Glück hat, gehen sie auf den Felsen kaputt!« oder: »18 Gepunktete Riffkrabbe / [...] Kein Wunder, dass auch Briefmarkensammler eine Schwäche für sie haben: Die Gepunktete Riffkrabbe zierte schon ein gutes Dutzend Briefmarken in der Pazifikregion.«

Den Höhepunkt des Buches aber bilden die ausgestalteten Tableaus, die sehr realistisch und doch deutlich gezeichnet daherkommen. Die Symmetrie der Doppelflügel einer Libelle kann man weglassen, die unterschiedlichen Federn eines Ayam Cemani auch in einer Zeichenfigur festhalten.
Am eindrucksvollsten unter dem Aspekt der Kuriosität ist wahrscheinlich die Doppelseite 28/29. Der Kopfschmuck der Haushuhnrassen ist wirklich zu komisch, was die Tiere selbst wohl vehement verneinen würden. Kuriosität ist ja auch ein sehr subjektiver Begriff.

 

PS Ennas Definition eines wirklich guten Buches trifft auch hier zu. Das Cover des aufgeschlagenen Buches bildet mit Vor- und Rückseite ein stimmiges Gesamtbild. Enna war vier Jahre alt, wusste aber wohl schon mehr, damals.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en