Sam Usher:
Sonne

Aus dem Englischen von Meike Blatnik
Berlin: Annette Betz 2018

www.annettebetz.de

ISBN 978-3-219-11752-3
36 S * 14,95 € * ab 03 J

 

 

Es gibt sie, diese perfekten Tage, an denen man irgendwas machen muss. Der Enkel spürt es, der Großvater spricht es aus. Picknick ist angesagt. Jetzt brauchen wir nur noch die Ausrüstung und den perfekten Ort.

Sonne, Picknick, Opa, Enkel

 

Malerisch soll der Platz sein, sagt Opa, schattig soll er sein und luftig. An diesem perfekten Sonnentag suchen Opa und Enkel einen Ort für ein Picknick. »Heute ist es heißer als Brokkolisuppe – auf solch eine Formulierung muss man erst einmal kommen – sagt der Junge beim Frühstück. Und: »...heißer als in der Atacama-Wüste...«, und da ist der Himmel glutrot über einer sandfarbenen Fläche, auf der sich ein Wanderer mit Rucksack, Hut und Wanderstab am Kaktus vorbei bewegt. Der Ich-Erzähler mit dem roten buschigen Haar hat offensichtlich eine lebhafte Fantasie.
Opa mit seiner Lesebrille und den weißen Gläsern ist da schon nüchterner, auch wenn er die eigentlich treibende Kraft »für ein Abenteuer« ist. Dazu braucht es selbstverständlich diverse Vorbereitungen, die wir auf einer Doppelseite sehen können: Taschenlampe, Fernglas, Fotoapparat (sehr alt!) mit vier Filmdosen und einem Film, Sonnenbrille Opa, Sonnenbrille Enkel, Stifte, Tagebuch, Zettel, Apfel und so weiter. Nicht vergessen wollen wir die beiden Spielpuppen Captain Blackbeard und Affe als Matrose, weil die beiden gegen Ende der Geschichte irgendwie lebendig werden.
Der Text nutzt die Wiederholungen, die jeweils leicht modifiziert werden. Die Bilder machen das mit. Der heiße Tag nimmt mehr und mehr Gestalt in der Farbe des Himmels an: von farbloser Sonne vor blauem Himmel über gelbem Himmel mit roten Einlassungen von oben über riesiger roten Fläche zu glutrotem tiefen Himmel über sandfarbener Erde, auf der Enkel wie Großvater klein mit Schatten gerade so erkennbar sind. Man leidet schon einmal mit. Warm ja, aber soooooooooo heiß muss es wirklich nicht sein. Da kommt die Kühle der Felshöhle am Strand gerade recht. Oder?

Das Buch hat das Cover mit dem etwas kitschigen aufgedampften Wort »Sonne« nicht nötig. Der Treppenschatten ist ebenso fühlbar, aber die Treppe führt direkt aus dem Haus mit dem Souterrain hinunter auf einen Strand. Das Spiel mit der Sandburg und einem grünen Papagei, der vor seinem (zu) langen Schatten aus einem Strohhalm im Pappbecher trinkt, wird in der Geschichte nur zum Teil erklärt.

Aquarell und sehr dünner schwarzer Fineliner-Strich sind die Mischung, die die Bilder lebendig machen. Der Haarkranz des Großvaters erhält diese dünnen Linien, das Weglassen der Gesichtsfarbe in der Brille unterhalb der Augen ist sehr gut in Szene gesetzt. Die Gestaltung des Himmels im Gefühl der beiden schafft eine Steigerung, ein Auf und kleines Ab bis zur Höhlenszene.
Ein schönes Buch ist es also, das der Großvater seinem Enkel beim Besuch mitbringen kann. Besser allerdings wäre es, wenn er mit seinem Enkel einen perfekten Tag zum Picknick nützen würde.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en