Felicitas Horstschäfer:
Rumpelstilzchen

München: Knesebeck 2016

www.knesebeck-verlag.de

ISBN 978-3-86873-799-8
40 S * 24,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

Ach wie gut, dass man ein Märchen so verkürzen kann, wenn man so tolle Bilder den Rest erzählen lässt. Rumpelstilzchen gehört zu den (sehr) bekannten Märchen, die Scherenschnitt-Technik mithilfe eines Lasergerätes ist dagegen relativ neu. Erstaunen und Bewunderung sind programmiert.

Ach, wie gut

Acht Seiten sind mithilfe eines Lasers geschnitten und öffnen sich zwischen zwei Seiten links und rechts, erzeugen beim Umblättern ganz neue Sichtweisen, die zum Teil auch noch (hinterhältig) witzig sind. Felicitas Horstschäfer verkürzt sowohl das Märchen als auch die Sätze, die in Weiß auf die schwarzen Seiten gedruckt sind. Das schadet nicht dem Inhalt. Die Figuren (muss man wohl sagen) sind nicht wirklich liebenswert, da ein Scherenschnitt kein gemaltes Bild ist. Charakterliche Besonderheiten müssen überhöht werden, Münder besonders weit geöffnet, Nasen deutlich - und Kronen auch. Die gelaserten Seiten behalten jeweils einen äußeren Rand, der in geschickter Weise auch verdecken kann. So wird aus einem Wildschwein nach dem Umblättern ein Fuchs, die aufgehängten leeren Spindeln auf dem Dachboden, mit denen die Katze spielt, füllen sich nach dem Umblättern mit Gesponnenem, das zwar in Weiß – und nicht in Gold – gezeichnet ist, aber dafür ist der gesamte Hintergrund goldgelb gehalten.

Das wahrscheinlich besonders gut gelungene Doppel- / Dreifachbild zeigt zunächst zwei Personen, die ziemlich merkwürdig (früher sagte man auch: dämlich) da stehen, und die nach dem Umblättern des geschnittenen Kartons sich zu einer intimen und sehr lieblichen Szenerie öffnen – ja, ein bisschen kitschig auch. Es ist halt ein Märchen. Dafür darf sich die Autorin und Illustratorin auch einige komische männliche Namen ausdenken und anbieten (Hammelswade, Rippenbiest, Bilzer, Hinz).

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en