Tomi Ungerer:
Warum bin ich nicht du?

Aus dem Französischen von Alexandra Beilharz, Grit Fröhlich und Margaux de Weck
Zürich: Diogenes 2016

www.diogenes.ch

ISBN 978-3-257-06980-8
186 S * 20,00 € * ab 06 J

 

 

 

 

Knapp 150 Fragen von Kindern sind aufgenommen, auf die niemand von uns spontan eine befriedigende Antwort hat. Die Methode der Philosophie ist auch eher, die Frage in den Mittelpunkt zu stellen – und damit uns auf ein Gleis zu setzen, das uns zu einer eigenen – vorläufigen – Antwort führen kann. Das ist hier leider nicht der Fall.

 

Tolle Fragen von Kindern von 4 bis 12 Jahren bringen uns – das sind sowohl die Selbstleser als auch die Zuhörer und die Vorleser – ein ums andere Mal zum Erstaunen. Wir könnten wohl zumeist keine Antwort geben, nach der vielleicht auch gar nicht gesucht wurde. Der damals 17-jährige Bob Dylan, inzwischen Nobelpreisträger, meinte (zu „Blowing in the wind“), dass es zunächst auf die Frage ankäme. Für die möglichen Antworten gäbe es dann viele Wege und Diskussionen.
147 Fragen sind versammelt, im Anhang sortiert in die Kriterien Angst – Denken und Wissen – Familie – Freundschaft – Geld – Gesellschaft und Moral – Kinder und Erwachsene – Kosmos und Weltall – Liebe – Mensch und menschliche Natur usw. Insgesamt findet Tomi Ungerer 15 Kriterien.

Dass er das Buch mit vielen Illustrationen begleitet, ist wohl selbstverständlich. Er beschränkt sich dabei auf Karikaturen, interpretiert seinen eigenen Text zumeist auf einer eigenen Seite.

Leider ist nicht diese Sicht der Fokus des Buches, sondern es sind die Antworten eines 85-jährigen Mannes auf die Fragen. Tomi Ungerer liefert Antworten auf Fragen, die ausgesprochen wichtig sind für unser Leben, letztlich jedoch nur auf neue Fragen hinführen können. Nicht so hier. Wenn Hugo (12 Jahre) fragt: »Wenn das Universum sowieso unendlich ist, spielt es doch eigentlich keine Rolle, wo wir wohnen, oder?«, dann antwortet Ungerer: »Ganz im Gegenteil!« und benutzt ‚Zuflucht‘, Zuhause‘, ‚Vögel in ihren Nestern’ ..., um eine Antwort zu geben, die darin gipfelt, dass es nicht sinnvoll sei, bei »minus 15 Grad Celsius unter freiem Himmel zu schlafen«. Das leuchtet ein.

Das Buch krankt leider, weil es die philosophischen Fragen nicht Ernst nimmt, dagegen die Antworten von Tomi Ungerer wohl. Punkt.

Die Fragen der Kinder selbst setzen uns ein ums andere Mal auf einen Weg, den wir allein vielleicht nicht gefunden hätten.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en