Philippe Fix & Alain Grée:
Serafin.
Lesen verboten

Aus dem Französischen von Sabine Ibach
Zürich: Diogenes 2016

www.diogenes.ch

ISBN 978-3-257-00539-4
32 S * 18,00 € * ab 04 J

 

 

 

 

Überall Verbote, gegen alle Vernunft. Das verstehen auch Kinder ab 3 Jahre, wenn sie in eine Geschichte verpackt wird. Die haben wir hier. Serafin und Plum wollen nach ihrem Ballon-Absturz nur nach Hause, aber da sind diese vielen Verbote. Ist unser Leben wirklich so geordnet? Gut wäre das jedenfalls nicht.

Bürokraten

Nach »Serafin und seine Wundermaschine« und »Serafin gegen Serafin« ist dies das dritte Buch über den kleinen Tüftler und Erfinder Serafin und seinen Freund Plum. Die Geschichte beginnt unvermittelt – wer die anderen Bände nicht kennt, kann sich aber schnell hineinfinden. Es gibt sehr viel Text, der zudem sehr klein gedruckt ist, der dieses Buch zu einem Bilderbuch machen soll. Die Bilder beanspruchen zwar deutlich mehr Platz, aber der Text hält nicht unbedingt das Tempo bei, das für das Anschauen einer Doppelseite reicht, denn auch die Bilder sind weder auffällig, grob, fokussiert, noch als Wimmelbuch konzipiert. Sie illustrieren eher die Geschichte.

 

Die beginnt mit dem Absturz des Fesselballons. Der Rettung durch den Kirchturmhahn folgt die Abschiebung der beiden Freunde, denn sie haben das Land unberechtigterweise betreten. Aber das Nachbarland will die beiden auch nicht haben und schickt sie ebenfalls zurück. Was nun? Sie befinden sich im sogenannten »Niemandsland«, das von den beiden Grenzen eingeschlossen ist. Diesem Land folgen sie und kommen ans Meer. Floß gebaut, in einem Hafen angelegt! Doch: Sie haben weder eine Zollbescheinigung noch einen Segelschein. Und dann ist auch noch ihr Ausweis weg.

Was sagte Brecht in seinen Flüchtlingsgesprächen? ‚Der Pass ist der edelste Teil eines Menschen ... deswegen wird er auch anerkannt, wenn er gut ist ... während der Mensch ...‘ [aus dem Gedächtnis zitiert]. Genau das erfahren die beiden. Alle nehmen gern die Hilfe von Serafin entgegen, aber niemand will etwas mit ihm zu tun haben.

Wir erleben mit den beiden Helden fast glossenartig übertriebene Situationen von Verboten und Gängeleien der Menschen durch Bürokraten und Staatsdiener. Kinder kennen das auch, denn oftmals erfahren auch sie Verbote, deren Begründungen sie entweder nicht verstehen oder aber die gar nicht gegeben werden. Der Text ist deutlich zu lang und die vielen Wiederholungen der Grundsituation hätten durchaus gekürzt werden können.

Fast alle Bilder zeigen kleine Nebenschauplätze und/oder witzige Kleinigkeiten. Serafin und Plum haben einen hohen Wiedererkennungswert, was nicht nur an der Kleidung liegt: Beide sind eher rundlich, der eine mit fast gelbem Strubbelhaar und Mütze, der andere mit dunklen Haaren, die auch kurze Dreadlocks sein könnten.

Das Ende ist ein bisschen enttäuschend, denn es endet ganz unvermittelt mit einem Cliffhanger – ohne jeden Hinweis wie ‚Fortsetzung folgt‘ o. ä.

 

Erstaunlich, wie aktuell das Thema ist, ist die französische Originalausgabe doch bereits 1968 (in deutscher Übersetzung 1972) erschienen!

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en