Jean-Marie Robillard & Carole Gourrat:
Die Farbe des Glü
cks

Aus dem Französischen von Susanne Völler
Köln: TintenTrinker 2016

www.tintentrinker.de

ISBN 978-3-946401-06-3
32 S * 16,00 € * ab 03 J

 

 

 

 

Der Gelehrte bringt die Prinzessin heute dazu, Glück zu zeichnen. Das führt zur Erkenntnis, dass für jede Person, jedes Tier die Farbe des Glücks eine andere ist. Wie das Bild der Prinzessin am Ende aussieht, kann man sich vorstellen.

Bollywoodfarben

Wir sind in China. Die liebreizende kleine Prinzessin Tiara wird vom alten Philosophen, Maler und Gelehrten Charam erzogen. »Eines Tages nahm Charam sie bei der Hand und führte sie zu seinem Atelier.« Diesen Tag erleben wir in der Folge zusammen mit den beiden. Der Lehrer stellt der jungen Prinzessin die Aufgabe, das Glück zu malen, genauer: die Farbe des Glücks zu nutzen. Stück um Stück führt sie der Weise in die unmittelbare Umgebung: Das Glück der Biene ist goldgelb, das der Schwalbe »azurblau wie der Himmel im Sommer«, das des Eichhörnchens »ockerfarben wie ein Herbstwald«.

Während die Geschichte erzählt und immer neue Tiere und Farben ins Spiel bringt, sehen wir auf den Bildern jeweils genau eben diese: Ein fast orangefarbener Herbstwald mit Birken und Farnen, in dem Eichhörnchen, Eule, Hirsch und Wolf zu erkennen sind und deutlich abgesetzt in knalligem grünen Mantelkleid mit Kapuze die Prinzessin. Oder: sie selbst in rot-orangefarbenen Kleid auf einer Schaukel im grünblauen Baum mit den Sommerblüten vor dem dunkelblauen Himmel und der großen schwarzen Schwalbe mit den Bäckchen der Blütenfarbe Oder: den Inuitjäger Akowak in seinem Anorak aus Eisbärfell. Oder die schöne Tänzerin aus Bali mit der Bougainvillea-Blüte aus strahlendem Rose in ihren schwarzen Haaren.

Von einer Station zur nächsten werden uns die extrem ‚sauberen‘ Bilder mit der großen Farbigkeit sympathischer – vor allem, wenn wir an das Ende der Geschichte denken, das uns nach wenigen Seiten bereits klar ist, aber wir uns gern an den immer neuen Einschüben erfreuen.

Auf den Flächen sind keine Pinsel- oder Buntstiftstriche erkennbar, Carole Gourrat kann offensichtlich (sehr) gut mit Mal- / Zeichenprogrammen am Computer umgehen. Die einzelnen farbigen Flächen sind jeweils mindestens dünn schwarz umrandet, vielfach sind die Farben verlaufend gesetzt, zum Teil sehr aufwendig und nur nachvollziehbar, wenn man sich selbst einmal bei einer Fläche am Computerbildschirm versuchte. Hier sind es pro Bild sehr viele derart gestaltete Teilflächen.
Mutig ist die farbliche Nebeneinandersetzung, die oft knapp an einer Komplementarität vorbei geht. Mutig ist auch die Darstellung der beiden Personen. Prinzessin Tiara ist im Babyschema dargestellt (großer Kopf mit großen Augen auf dünnem Hals), dem Gelehrten Charam nimmt man sein Alter ohne eine einzige Gesichtsfalte allerdings nicht ab, eine runde Lesebrille und ein kahl rasierter Kopf machen noch keinen alten Mann.

 

Mutig auch vom Verlag, das Buch mit diesen Bildern, die so gar nicht in unsere Sehgewohnheiten passen, herauszubringen! Die Geschichte ist sehr schlüssig und von Kindergartenkindern gut zu verstehen – und damit stimmt dann auch die Farbigkeit. Sicher ist es kein »Brotbuch«, aber Sehgewohnheiten muss man auch mal durchbrechen dürfen. Dieses zum Beispiel.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en